Altes Eisen? Der Drilling heute

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Drilling von Sauer und Sohn
Drei verschiedene Schüsse aus einer Waffe: Drilling mit Einstecklauf (Foto: wy)

 
 
 

Wer heute noch einen Drilling führt wird oftmals, insbesondere von jüngeren Jägern, ein wenig belächelt und hört auch manchmal, dass man seine Waffe als Bauernmöbel bezeichnet. Dabei hat das Dreirohr seit seiner Erfindung durch den Münchner Büchsenmacher Oberhammer praktisch keinen seiner Vorzüge eingebüßt.

Drilling von Sauer und Sohn
Drei verschiedene Schüsse aus einer Waffe: Drilling mit Einstecklauf (Foto: wy)

Natürlich war der Drilling besonders in jenen Tagen vorteilhaft, ja eigentlich sogar unverzichtbar, als der Anmarsch zum Revier noch typischerweise mit der Eisenbahn bzw. zu Fuß stattfand und man zum Beispiel von Samstag auf Sonntag im Revier übernachtete. Außer dem Rucksack brauchte man dann nur diese eine Waffe zu tragen und war trotzdem für verschiedene Jagdarten gerüstet, die man im Laufe des Wochenendes ausüben wollte. Heute fährt man hingegen an freien Tagen durchaus mehrmals ins Revier und kann dann die für die jeweils geplante Jagdart geeignete einzelne Waffe auswählen und mitführen.

Trotzdem gibt es auch heute noch genug jagdlichen Situationen in denen es ein erheblicher Vorteil ist, Kugel, Schrot und eventuell auch noch die kleine Kugel aus dem Einstecklauf zur Verfügung zu haben. Das ist beileibe nicht nur beim Reviergang der Fall, bei dem man durchaus alle Wildarten in Anblick bekommen kann, welche die Jagdkarte gerade hergibt und die im Revier vorkommen.

Beim nächtlichen Ansitz auf Sauen kann der berühmte Fuchs anschnüren, der ja bekanntlich immer kommen kann. Der Schuss mit der kleinen Kugel ist dann nicht nur leiser, sondern auch preisgünstiger als die dicke Pille, die man für die Schwarzkittel bereithält. Abgesehen davon, dass heute auch für ältere Drillinge der mündungslange Einstecklauf mit der .22 Hornet Standard ist, gibt es heute auch Drillinge die reh- oder gar hochwildtaugliche Einsteckläufe aufnehmen können. Hier kann man durchaus auch einen für ein rasantes Kaliber montieren, mit dem man nach dem Fuchs „weit hinaus langen“ kann – etwa wenn man am Waldrand auf Sauen sitzt, die in die Feldflur wechseln, um dort Schaden zu machen.

Sitzt man im Spätherbst und Winter auf Rehe an, kommen gerne auch Hasen in Anblick, die man ja von Oktober bis Dezember durchaus mitnehmen kann. Auch hier kann die kleine Kugel aus dem Einstecklauf gute Dienste leisten. Begegnen einem Fuchs oder Hase beim An- oder Abwechseln ist hingegen der Schrotlauf oft das Mittel der Wahl, weil er, vor allem, wenn man ebenerdig stehend schießt, das Hinterland weit weniger gefährdet.

Auf Drückjagden kann man den verbleibenden Schrotlauf – oder beide, wenn man keinen Einstecklauf hat – mit einem bzw. zwei Flintenlaufgeschossen stopfen. So hat man einen blitzschnellen zweiten und im zweiten Fall zusätzlich trotz des notwendigen Umschaltens des vorderen Abzugs auf Schrot noch einen recht schnellen dritten Schuss zur Verfügung. Zwar sind Schüsse mit Flintenlaufgeschossen nur behelfsmäßige Kugelschüsse, jedoch fällt dieser Nachteil bei den Entfernungen, auf die man bei Drückjagden sowieso nur schießen sollte, nicht so sehr ins Gewicht.

Als Nachteile des Drillings werden oft sein hohes Gewicht, seine angeblich komplizierte Handhabung und die Gefahr des Doppelns angeführt. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass bei mehreren kurz hintereinander abgegebenen Schüssen aus dem Kugellauf eines Drillings jeder Schuss ein wenig höher sitzt als der vorhergehende. Tatsächlich gibt es beim Drilling diese Nachteile, sie sind jedoch keineswegs so gravierend wie sie manchem erscheinen mögen.

Ein Kilo mehr oder weniger beim Gewicht der Waffe mag eine Rolle spielen, wenn man im Hochgebirge auf beschwerlichen Steigen, in der sibirischen Taiga oder sonst in der Wildnis längere Fußmärsche zu bewältigen hat. Wem jedoch beim Weg vom Auto zum Hochsitz oder bei einem Reviergang ein Drilling zu schwer ist, der sollte einen Arzt aufsuchen oder zumindest seine Lebensweise überdenken.

Dass die Bedienung eines Drillings kompliziert sei, glauben eigentlich nur Leute, denen man sie nur im Jägerkurs einmal kurz gezeigt hat und die womöglich bei der mündlich-praktischen Prüfung damit gepiesackt wurden. Wer einen Drilling ein paar Mal in aller Ruhe entladen und entspannt hat, wird merken, dass es eigentlich ganz einfach ist. Und wer regelmäßig einen Drilling führt, macht ihn genauso selbstverständlich schrankfertig, wie man einen Repetierer entlädt und entspannt.

Das Doppeln eines Drillings meint, dass neben dem Schuss, den man willentlich abgibt, sich ungewollt ein weiterer aus einem anderen Lauf löst. Bei genauerem Hinsehen bedeutet dies, dass ein Schloss nicht nur abschlägt, wenn man sein Abzug betätigt, sondern auch wenn es einer starken Erschütterung ausgesetzt ist. Das darf aber bei keiner Waffe der Fall sein. Ein Drilling der doppelt, gehört in die Hand eines fähigen Büchsenmacher, der die Ursache der Fehlfunktion abstellt. Außerdem gibt es heute Drillinge mit separater Kugelspannung. Eine solche verhindert die gefährlichste Form des Doppelns, nämlich die, bei der der Kugellauf mit losgeht, wenn man einen Schrotlauf abschießt. Der umgekehrte Fall ist weit weniger gefährlich, da in einer Richtung, in die ein gefahrloser Kugelschuss möglich ist, auch ein Schrotschuss keinen Schaden anrichten kann. Außerdem vereinfacht die separate Kugelspannung die Handhabung des Drillings.

Schließlich gibt es heute auch noch Drillinge mit freischwingenden Läufen, bei denen auch das berüchtigte Klettern bei mehreren hintereinander abgegebenen Schüssen ausbleibt. Wenn nun auch ein älterer Drilling mit den genannten Nachteilen nicht jedermanns Sache sein mag, so ist doch ein moderner Drilling mit separater Kugelspannung, frei schwingenden Läufen und möglichst noch einer Basküle, die großkalibrige Einsteckläufe verträgt, eine moderne, zeitgemäße Jagdwaffe und keineswegs ein antiquiertes Stück Technik.
Volker Wollny