„Anständige Jagd ist das Wichtigste“

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„Wald vor Wild“ lautet ein Grundsatz, der im Waldgesetz für Bayern verankert ist. „Für mich gilt: Wald und Feld mit Wild“, sagt Jäger Werner Fröwis bei der Jahreshauptversammlung und Hegeschau der Kreisgruppe Wasserburg im Landesjagdverband Bayern.

Eiselfing/Landkreis – Im Gasthaus Schmid in Kerschdorf forderte Vorsitzender Werner Fröwis in seinem Rechenschaftsbericht vor rund 250 Besuchern zur Solidarität der Jäger auf. „Wir müssen offen über Dinge reden, die manchmal nicht passen. Wenn es um die Jagd geht, müssen wir geschlossen auftreten, auch gegenüber der Politik. Für uns alle ist eine anständige Jägerei das Wichtigste.“ Konkret nannte Fröwis die Herausforderungen durch die EU-Vorgaben zum Waffenrecht. Auch in Berlin müsse der Verband in diesem Punkt aktiv werden. „Wir haben schon einige Einschnitte hinnehmen müssen, aber es wird immer schlimmer. Mit der Steinschleuder können wir nicht zum Jagen gehen.“ Das hätten manche politisch Verantwortliche aber noch nicht verstanden.

Mit Blick auf die Wildschweinplage sagte Fröwis, dass in Bayern im vergangenen Jagdjahr mehr als 94 000 Wildschweine erlegt worden seien, im Vorjahr über 60 000. „Wir Jäger machen da unsere Hausaufgaben, wir stehen in der Verantwortung gegenüber unseren Partnern in der Landwirtschaft.“

Er ermahnte die Jäger nachdrücklich, die Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest ernst zu nehmen: „Meldet aufgefundene Wildschweine sofort!“ Im Vergleich zu anderen Landkreisen sei das Schwarzwildproblem im Bereich Wasserburg aber „sehr tief angesiedelt“.

Zum Thema „Fütterung in Notzeit“ erklärte Fröwis, hier entscheide je nach Situation der Jäger vor Ort in seinem Revier und nicht der Beamte hinter seinem Schreibtisch. „Bei den Schneelagen wie im vergangenen Winter muss eben zugefüttert werden und es muss entsprechende Ruhezonen geben.“ Die Jäger müssten für alle Kreaturen einstehen, nicht nur für das jagdbare Wild.

Der Wasserburger Forstbetriebsleiter Heinz Utschig wies in seinem Grußwort auf ein Gutachten aus dem Jahr 2018 zum Zustand der Waldvegetation hin. Für das Gebiet der Kreisgruppe habe sich ein sehr positives Bild ergeben. Alle Hegegemeinschaften hätten eine tragbare Verbissbelastung, auch wenn sie in einzelnen Revieren unterschiedlich ausfalle. Mit Blick auf den Baumbestand sagte Utschig: „Der Tanne geht es nicht schlecht im nördlichen Landkreis.“

Der Präsident des bayerischen Jagdverbandes, Jürgen Focke, nahm in seinem Redebeitrag zu einem Bericht Stellung, wonach in Brandenburg eine Ausnahmeregelung zur Jagd von Wildschweinen mit Pfeil und Bogen geplant sei, um den Schwarzwildbestand zu reduzieren. „Ich sage klipp und klar: Aus meiner Sicht verkommt die Jagd zum Sport.“ Focke erläuterte, dass eine solche Waffe mittlerweile mit viel Hightech aufgerüstet werden könne. „Da sind Kriminalitätsgeschichten vorprogrammiert.“ Eine Verbreitung auf dem freien Markt sei keineswegs wünschenswert.

Zudem forderte der Präsident die Jäger auf, mehr für ihre Arbeit zu werben. „Die Masse der Bevölkerung nimmt nur Gehörne und Geweihe wahr, sie meint, wir seien reine Trophäenjäger.“ Die Jäger müssten vor Ort – etwa mit einem Tag des offenen Reviers – dokumentieren, was sie für die Natur tun.

Erwähnt wurden bei der Versammlung, an der als Ehrengäste auch der stellvertretende Landrat Sepp Huber und Landtagsabgeordnete Otto Lederer teilnahmen, auch die Abschusszahlen: Die Zahl der erlegten Rehe in den vergangenen drei Jahren wurde mit 7004 angegeben, eine Zahl, die genau der Vorgabe entsprach. Für die Hegeschau gaben die Mitglieder der Kreisgruppe 662 Gehörne ab, die im Saal in mehreren Schaukästen präsentiert wurden.