Geiß oder Schmalreh?

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Das ist der deutlich sichtbaren Spinne zufolge eindeutig eine Geiß und kein Schmalreh. Dummerweise ist der Fall aber nicht immer so klar... (Bild: Gernot Schreiber, Lizenz: CC)
Das ist der deutlich sichtbaren Spinne zufolge eindeutig eine Geiß und kein Schmalreh. Dummerweise ist der Fall aber nicht immer so klar... (Bild: Gernot Schreiber, Lizenz: CC)

 
 
 

Seit dem 1. Mai sind beim Rehwild nicht nur die Böcke, sondern auch die Schmalrehe offen. Allerdings muss man hier sehr genau aufpassen, damit man nicht versehentlich eine Geiß bzw. Ricke schießt.

Das ist der deutlich sichtbaren Spinne zufolge eindeutig eine Geiß und kein Schmalreh. Dummerweise ist der Fall aber nicht immer so klar... (Bild: Gernot Schreiber, Lizenz: CC)
Das ist der deutlich sichtbaren Spinne zufolge eindeutig eine Geiß und kein Schmalreh. Dummerweise ist der Fall aber nicht immer so klar… (Bild: Gernot Schreiber, Lizenz: CC)

Als die Rehböcke im Winter noch geschont wurden bzw. wo das heute noch der Fall sein sollte, war bzw. ist die versehentliche Erlegung eines Bockes lediglich eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Selbstanzeige und einem moderaten Bußgeld unschädlich für den Jagdschein aus der Welt geschafft werden konnte bzw. kann. Das Schießen eines „zur Aufzucht der Jungen notwendigen Elterntieres bis zum Selbsständigwerden der Jungen“ hingegen ist eine astreine Straftat. Ein solcher Schuss kann den Waidmann – zumindest theoretisch – ins Gefängnis bringen und kostet auf jeden Fall den Jagdschein.

Eine Geiß mit Kitz(en) ist im Frühsommer zweifellos ein solches zur Aufzucht der Jungen notwendiges Elterntier und darf daher nicht geschossen werden, zumal Rehgeißen zu dieser Zeit ja auch Schonzeit haben. Wie aber unterscheidet man nun eine Geiß von einem Schmalreh?

Anfang Mai haben die Geißen normalerweise noch nicht gesetzt und man erkennt sie an ihrem dicken „Schwangerschaftsbauch“. Schmalrehe, die ja vorjährige Kitze sind, stehen zu dieser Zeit oft noch bei ihrer Mutter. Da sie auch früher verfärben, kann man sie eventuell auch an der Fellfarbe von der Mutter unterscheiden. Kommen einem zwei solche Rehe, hat man fast den Idealfall.

Später erkennt man die Geiß an der Spinne, also dem Gesäuge. Bei einem weiblichen Stück sollte man daher also auf jeden Fall warten, bis es so gestanden ist, dass ein deutlicher Blick zwischen die Beine möglich war. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Sieht man eine Spinne, die so prall ist wie ein Kuheuter nachmittags um Fünf kurz vor dem Melken, ist der Fall natürlich klar. Sieht man keine Spinne, kann es sein, dass sie nicht so deutlich ausgeprägt ist und man sie übersehen hat, oder die Geiß erst kurz zuvor gesetzt hat und die Spinne noch nicht ausgebildet ist.

Schmalrehe, die Geschwister sind, stehen oft auch noch im neuen Jagdjahr beieinander. Kommen zwei gleichgroße weibliche Rehe zusammen in Anblick, ist dies ein Indiz dafür, dass es sich um Schmalrehe handelt. Die Regel, dass Jung früher verfärbt als Alt, kann auch weiterhelfen; das Verhalten ebenfalls: jugendlich-neugieriges Verhalten deutet auf ein Schmalreh hin.

Das Ansprechen anhand einzelner Merkmale ist jedoch mehr oder weniger Stückwerk. Wichtig ist nämlich auch der Gesamteindruck und nicht zuletzt der Vergleich mit anderen Stücken im Revier. Dazu gehört Erfahrung. Es ist also keine schlechte Idee, als Jungjäger im ersten Sommer zwar fleißig auf den Ansitz zu gehen, den Finger auf Schmalrehe jedoch grade zu lassen und lediglich zu beobachten. Ganz besonders viel bringt das in Revieren, in denen soviel Wild ist, dass man häufig verschiedene Stücke gleichzeitig oder kurz hintereinander sieht.

Hilfreich ist es auch, sich möglichst viel Fotos von Schmalrehen und Geißen anzusehen wie man sie zum Beispiel hier in diesem Wild-und-Hund-Dossier sieht. Auf jeden Fall lässt man den Finger grade, wenn man sich nicht absolut sicher ist:

Auch wenn Du denkst, es sei doch schade,
Im Zweifel lass den Finger grade!

Volker Wollny