Saisonstart: Unterricht am Rande der Jagd

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Es seien gute Strecken gewesen, die nach den Jagden am Freitag und Sonnabend gelegt wurden, bilanziert Stadtforstdirektor Thomas Weber. 60 Jäger wurden von 30 Treibern unterstützt. Das erlegte Wild ging an das Gut Hirschaue in Birkholz.

Sonnabendmittag, 12 Uhr, sitzen vier Männer am Tisch auf dem Platz neben dem Forsthaus Kleine Heide und lassen sich frisch gegrillte Wildbuletten und -bratwürste sowie Schmalzstullen schmecken. Sie fallen auf in ihrer grell orangefarbenen Kleidung. Und das muss auch so sein. Schließlich sind sie als Treiber eingesetzt, sollen das Wild aufscheuchen, damit es die Jäger von ihren Ansitzen aus entdecken. Viel vom typischen Latein der Waidmänner kann die Runde noch nicht austauschen, denn sie sind Jagdschüler beziehungsweise Jungjäger.

Zu Letzteren gehört Jens Kubannek aus Fürstenwalde. Er hat im Sommer in einem Kompaktkurs 156 Theoriestunden sowie am Wochenende die jagdpraktische Ausbildung absolviert und im September die Prüfung abgelegt. Ab der nächsten Saison, also ab dem 1. April, will der Privatier seine dreijährige Probe-Zeit mit einem sogenannten Begehungsschein für den Stadtforst antreten. „Ich war schon immer viel in der Natur unterwegs, daher das Interesse an der Jagd“, sagt der 57-Jährige. Am Sonnabendvormittag hat er sich knapp sechs Kilometer laut „Hepp-Hepp, Ho-Ho!“-rufend durch das Gelände am Friedwald gearbeitet – immer in Sichtweite zu den anderen Treibern. „Aufgescheucht habe ich persönlich nichts“, klingt er etwas enttäuscht.

Anders Sebastian Macioßek, Jagdschüler von der Landesjagdschule Berlin. Der 46-Jährige bekam ein Reh und ein Wildschwein zu Gesicht. Für ihn und seine elf Klassenkameraden gibt es an dem Tag noch mehr als das Helferdasein. Als gegen 12.45 Uhr die ersten erlegten Tiere auf den Platz gefahren werden, wo sie fachgerecht ausgeweidet werden sollen, ruft Wildbiologin Christine Douvier ihre Schützlinge zusammen. Die Lehrerin nutzt die Gunst der Stunde, um dem Jäger-Nachwuchs am Original zu zeigen, wie das Wild aufgebrochen wird. Interessiert schauen die Schüler zu, wie sie einem Reh die Eingeweide entnimmt. „Ihr könnt ruhig alles anfassen“, sagt Christine Douvier, stellt zwischendurch immer wieder Fragen zu dem, was gerade geschieht – praxisnaher kann Unterricht kaum sein.

Nicht ganz so viel Zeit nimmt sich Fleischermeister Martin Schulze vom Gut Hirschaue Birkholz bei den gleichen Handgriffen. Er bereitet das Wild für den Abtransport im Kühlwagen in den nahe Beeskow gelegenen Betrieb vor. Seit vielen Jahren arbeiten der Stadtforst und das Gut bei Jagden zusammen. Und so wundert es auch nicht, dass sich dessen Geschäftsführer Henrik Staar mit seinem Mitarbeiter Helge Peters um die Versorgung der Gesellschaft kümmert, am Grill besagte Buletten und Würste zubereitet. „Das hier und heute erlegte Wild ist dann ab Freitag, wenn unser Hofladen wieder geöffnet hat, erhältich“, sagt Staar.

In das Kühlhaus wandern die Strecken beider Tage: Laut Stadtforstdirektor Thomas Weber sind das 46 Rehe, 10 Schweine und16 Stück Rotwild, die 60 Jäger aus Deutschland, Holland, Österreich und Belgien erlegt haben.

Mit dem Wochenende ist für den Stadtforst die Jagdsaison nun offiziell eröffnet. Nach der Kleinen Heide und dem Revier Buchte folgen in den nächsten Wochen Termine für den Beerenbusch und die Kleine Tränke (Ende November), dann noch einmal Buchte und Kleine Tränke (Anfang Dezember) sowie die beiden Bürgermeisterjagden Anfang Januar im Beerenbusch und der Kleinen Heide. „Wer als Treiber dabei sein will, kann sich bei uns melden“, sagt Weber.