Bochumer Jäger legen Wert auf ihr Image als Naturschützer

Bochum. Die Zahl der Menschen mit Jagdschein steigt in Bochum. Der Naturschutz ist für sie oft die Hauptmotivation. Das sehen die Naturschützer kritisch.

Die Jagd liegt im Trend. Bundesweit nehmen die Zahlen der Jägerinnen und Jäger zu. Gingen im Jahr 2000 noch rund 340.000 Jägerinnen und Jäger auf die Pirsch, so waren es im vergangenen Jahr fast 385.000. In Bochum zeigt sich diese Entwicklung bei der steigenden Zahl der Teilnehmer an der Jägerprüfung: 48 Anmeldungen sind es in diesem Jahr.

Ricarda Michalke gehört zu diesen „Jungjägern“, So werden die Anwärter genannt. Seit August verbringt sie zwei Abende in der Woche damit, das notwendige Fachwissen für das „grüne Abitur“ zu erwerben. „Das heißt nicht zufällig so“, sagt die 30-jährige Bochumerin. „Der Unterricht ist wirklich anspruchsvoll.“

Naturschutz ohne Gewehr

Auch Bert Gruber wird im August zur Prüfung antreten. Was hat ihn bewogen, den Jagdschein zu erwerben? „Das war ein bisschen über Umwege“, sagt der 51-Jährige. „Ich habe einen Vorstehhund, den ich sinnvoll beschäftigen wollte – und die Jagd hat mich immer gereizt.“

Die Liebe zur Natur, das Interesse an ökologischen Zusammenhängen, der Naturschutz sind Motive, die nach einer Umfrage des Deutschen Jagdverbandes (DJV) von 2017 die Hauptmotivation für den Erwerb des Jagdscheins sind. All dies wäre aber doch eigentlich auch ohne Gewehr möglich? „Es ist auch der Reiz am Brauchtum, an der Tradition“, sagt Gruber.

Jagd in sinnvollen Grenzen

Nicht jeder ist ein Fan des Naturschutzes mit der Flinte. Josef Tumbrinck ist der NRW-Landesvorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). „Wir sind keine Gegner der Jagd“, sagt er. „Wir brauchen die geregelte Jagd in sinnvollen Grenzen, um den Verbissschaden durch Wild unter Kontrolle zu halten.“ Nur so sei die ökologisch wünschenswerte Waldverjüngung möglich.

Wo genau diese sinnvollen Grenzen liegen, ist aber Ansichtssache. In diesem Jahr tritt das neue Landesjagdgesetz in Kraft, das fast alle Einschränkungen des von Rot-Grün im Jahr 2015 beschlossenen „ökologischen Jagdgesetzes“ wieder rückgängig macht.

Liste der jagdbaren Tiere

Die Liste der jagdbaren Tierarten wurde extrem ausgeweitet, die Qualität des Schießnachweises gesenkt, die umstrittene Baujagd auf Füchse ist wieder erlaubt, ebenso die Ausbildung der Jagdgebrauchshunde an lebendigen Enten. Während die Jägerschaft die neue gesetzliche Regelung begrüßt, ist es für die Naturschützer ein Schritt zurück: „Die Neufassung des Gesetzes ist ganz einfach ein politisches Geschenk der Landesregierung an die Jägerlobby“, sagt Tumbrinck. Auf der Liste der jagdbaren Arten finden sich auch solche, die auf der Roten Liste stehen, also vom Aussterben bedroht sind. Zum Beispiel die Waldschnepfe.

„Das klingt zuerst vielleicht befremdlich“, sagt Marcel Teckentrup, Ausbildungsleiter der Jungjäger in Bochum. „Aber der Vogel hat ganzjährige Schonzeit, darf also nicht geschossen werden.“ Dass er trotzdem als jagdbare Art gelte, sei sinnvoll: „Auf diese Art und Weise fällt seine Hege in den Zuständigkeitsbereich der Jäger – wir sichern seinen Lebensraum.“

Kritik aus den Reihen des Nabu

Leider nicht ganz richtig, denn für die Waldschnepfe ist, laut Landesjagdverband NRW, eine mehrmonatige Abschusszeit vorgesehen. Für Josef Tumbrinck nicht überraschend: „Die Schnepfe ist ein Lieblingskind der Jäger – sie ist schwer zu schießen und sichert dem erfolgreichen Schützen hohes Ansehen.“

Dass die Jäger durch Aktionen wie das Aufstellen von Nistkästen oder den „Lernort Natur“ für Kinder auch einen gewissen Beitrag zum Naturschutz leisten, leugnet der Nabu-Landesvorsitzende nicht, schätzt aber dessen Stellenwert gering ein: „Das dient in erster Linie der Imagepflege. Die Jäger machen auch ein bisschen Naturschutz – aber die Naturschützer sind wir.“

Gejagt werden darf nur in ausgewiesenen Revieren

Die wachsende Zahl der Jäger hat keine unmittelbare Auswirkung auf die Wildbestände, denn gejagt werden darf nur in ausgewiesenen Revieren. Der Jagdschein allein berechtigt nicht automatisch zur Jagd. Nachwuchsjäger werden häufig von erfahrenen Jägern in ihre Reviere eingeladen.
Die Ausbildung der Kreisjägerschaft Bochum genießt in Jägerkreisen hohes Ansehen.