Corona-Krise trifft die Jagd

Weil der Absatzmarkt durch den Lock-down eingebrochen ist, braucht es ein Umdenken bei der Vermarktung

Was hat das Coronavirus mit der Jagd zu tun? Auch wenn man im ersten Moment keinerlei Zusammenhang vermutet, so hat die Krise doch massive Auswirkungen auf den Jagdbetrieb und die Wildfleisch-Produktion in ganz Österreich. Wegen des Lock-downs sind durch die Schließung von Hotellerie und Gastronomie etwa 80 Prozent des Absatzmarktes für heimisches Wildbret von einem Tag auf den anderen einfach weggebrochen. Die Folge war ein Preisverfall für das qualitativ hochwertige Fleisch.

Für gewöhnlich rührt der NÖ Landesjagdverband traditionell zum „Tag der Jagd“ am 15. Mai mit einem Maibock-Essen die Werbetrommel für Wildspezialitäten aus den Wäldern. Wegen der Corona-Maßnahmen war heuer an einen gesellschaftlichen Auflauf nicht zu denken, und so nahm Landesjägermeister Josef Pröll im Rahmen einer Online-Pressekonferenz zu den neuen Herausforderungen Stellung. Durch den plötzlichen Einbruch des Wildbretmarkts war Eile geboten. Mit Online-Plattformen und durch Werbemaßnahmen wurde der Verkauf des Wildfleisches über Direktvermarkter forciert.

Außerdem ging der nö. Jagdverband eine Kooperation mit der Handelskette Spar ein und verkaufte Reh und Wildschwein in vielen Filialen. Nicht ohne dafür auch Kritik aus den eigenen Reihen einstecken zu müssen: Während die Erleger in manchen Fällen nur zwei bis vier Euro pro Kilo erhielten, wurden die Gustostückerl im Supermarkt für den nicht gerade wohlfeilen Kilopreis von 40 Euro angeboten.

„Wir stehen in Konkurrenz mit anderen Fleischarten wie Rind und Schwein. Angebot und Nachfrage regulieren den Preis. Wir müssen versuchen, aus dieser Depression herauszukommen“, so Pröll. Daher hat man sich einen Drei-Punkte-Plan auferlegt: Direktvermarktung stärken, neue Absatzkanäle öffnen und Wildbret bewerben. „Wir begreifen die Corona-Krise als Chance, denn die Ernährungstrends gesund, regional und nachhaltig weisen klar in Richtung Wildbret“, sagt Pröll.

Imageproblem

Weil die Jagd gerade im städtischen Bereich immer noch ein Imageproblem hat „und das Wissen um die genauen Aufgabenbereiche gesunken ist“, setzt man auf eine Imagekampagne. Der Jagdverband hat ein eigenes Wissensmagazin für Kinder geschaffen. „Wilde Kids“ erscheint zwei Mal jährlich und dient als Jagd- und Naturfibel für den Nachwuchs.