Corona-Pandemie: Wildfleisch kaum gefragt

Corona, Waldbrandstufe, Schweinepest: Kreisjägermeister Guido Arndt berichtet von Herausforderungen für die Jagd.

Wittenberg – In Zeiten der Corona-Pandemie sei das Jagen „unter geltender Landesverordnung erlaubt, sogar ausdrücklich gewollt“, sagt Kreisjägermeister Guido Arndt in Vertretung der drei Jägerschaften des Großkreises Wittenberg. Immerhin sei die Jagd ein Beitrag zur DaseinsvorsorgeAnzeige des Volkes, indem sie Wildbestände reguliert und die Anbauflächen der Landwirte vor Wildschäden schützt. „Es darf natürlich nur auf Einzeljagd gegangen werden“, betont der 53-Jährige – es darf also nur ein Mensch alleine jagen, keine Gruppe.

Außerdem würden selbstverständlich die üblichen Quarantäneregeln gelten. Ein Jessener JägerAnzeige durfte daher bis vor Kurzem nur in seinem dortigen Jagdgebiet schießen. Anderswo ansässige Jäger hingegen, durften während der Quarantäne nicht in Jessen jagen.

Dass die Jäger ihre Beute in diesen Zeiten weniger gut an Gaststätten verkaufen können, spiele eine Rolle, sagt Arndt. Es sei aber in einem gewissen Rahmen für die Jäger zulässig, das Wild selbst auf andere Weise zu vermarkten. Momentan herrschen für die meisten Wildarten allerdings ohnehin Schonzeiten und die Jagd ist auf das Erlegen von Wildschweinen, Füchsen und Waschbären begrenzt. Oder wie es der Kreisjägermeister in der Waidmannssprache ausdrückt: „Schwarzwild und Raubwild darf ganzjährig bejagt werden.“

„Grünes Abitur“ verschoben

Die kürzlich auf 5 hochgesetzte Waldbrandgefahrenstufe habe keine Auswirkungen auf die Jagd als solche. „Wir Jäger gehen verantwortungsvoll mit dem Thema um“, bestätigt Arndt. Er sehe es als Privileg, dass die Jagdausübung von dem Verbot ausgenommen ist, sich bei Waldbrandgefahrenstufe 5 fernab der Waldwege aufzuhalten.

Spricht man den Kreisjägermeister auf die Jagdausbildungen durch die Kreisjägerschaft an, scheint er weniger zufrieden: „Das ist ein Thema, was uns ziemlich weh tut“. Die diesjährige Jägerprüfung, sie sollte eigentlich im Mai stattfinden, wurde in Absprache mit der unteren Jagdbehörde vorerst auf den September verschoben. Arndt leidet mit den Prüflingen, die aufwendige Lehrgänge von Jagdrecht bis Wildkunde durchlaufen und sich durch dicke Bücher gearbeitet hätten, um ihr „grünes Abitur“ abzulegen.

Sie seien zurecht frustriert, meint der Kreisjägermeister. Ein ähnliches Szenario böte sich bezüglich der Hundeprüfungen, da auch sie mit Menschenansammlungen verbunden und zu Zeiten der Corona-Pandemie nicht durchführbar seien.

Gefährliches Virus

Auch die Afrikanische Schweinepest gilt als leidliche Thematik unter Jägern. „Das schwelt so im Hintergrund, doch die Gefahr besteht weiterhin“, verdeutlicht Arndt einmal mehr. Nur 10 bis 20 Kilometer vor der polnisch-deutschen Grenze habe es bereits positive Tests auf die Seuche gegeben. „Das kann schnell überschwappen“, fürchtet der Kreisjägermeister.

Die aufmerksame Beobachtung des Wilds und das Entnehmen von Proben verendeter Wildtiere sei jetzt äußerst wichtig. Sobald es positive Tests gibt, „geht es erst richtig los“, erklärt Arndt. Sperrbezirke, Verbot der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung des Waldes und Exportverbote für deutsches Schweinefleisch würden dann drohen. Oder mit anderen Worten: Quarantäne, Ausgangssperre, geschlossene Grenzen — zumindest für die Land- und Forstwirtschaft.

Die Afrikanische Schweinepest hatte sich seit 2014 auf dem europäischen Festland verbreitet, seit 2018 dringt sie vermehrt Richtung Deutschland vor. Von Wildschweinen kann sich das Virus auf Hausschweine übertragen, die daraufhin geschlachtet werden müssen und deren Fleisch unverkäuflich ist.

„Nutztierbestände sind dann äußerst betroffen“, sagt Arndt deshalb. Der Mensch hingegen könne sich mit diesem Virus nicht infizieren. Warum dieser sich dennoch nicht aus der Affäre ziehen kann: Im Falle der Afrikanischen Schweinepest ist der Mensch Superüberträger. Hunderte Kilometer kann er das Virus transportieren, wenn schon nicht im eigenen Körper, dann beispielsweise im Radkasten eines Lkw.

In veredelter Form, weil bereits zu Wurst und Grillfleisch verarbeitet, gibt es Wild bei Andreas Wirth in Dessau-Mildensee zu kaufen.

Obwohl er in der Region der einzige ist, nachdem der Wörlitzer Fleischerei Ogkler das Gewerbe für die Fleischerei und die Anhaltische Wildkammer aus Altersgründen zum Jahresbeginn abgemeldet hat, trifft ihn die Krise besonders hart, weil nicht weniger als seine Existenz am Wildmarkt hängt. Großabnehmer wie Hotels und Restaurants sind weggebrochen, die Stammkundschaft habe sich halbiert und Neukunden kämen überhaupt nicht mehr, erklärt Wirth. 90 Prozent seines Absatzes sei eingebrochen.

30 Tiere in der Woche

Auf der anderen Seite sitzen ihm die Erzeuger im Nacken. „Sie rufen jeden Tag an und fragen, ob ich ihnen Fleisch abnehme.“ Da Wirth gewöhnlich 20 bis 30 Tiere in der Woche verarbeitet, hat er Verträge mit dem Landes- und dem Bundesforst. Daraus würden sich Abnahmepflichten ergeben. „Da komme ich nicht raus.“

Seine Kühlkammer quillt jedoch bereits über. Einziger Lichtblick ist der Anhaltiner Wildhandel von Ulf Matthey, der Wirths Waren – 25 Sorten Wurst und acht Grillartikel – auf Wochenmärkten und auf Supermarktparkplätzen auch außerhalb Sachsen-Anhalts an den Kunden bringt.

Doch auch Wochenmärkte würden vielerorts abgesagt, Supermärkte würden den Verkauf auf ihren Flächen aus unbekannten Gründen untersagen, so Wirth. „Ich weiß nicht, wo die Reise noch hingeht“, gesteht der Fleischfabrikant.