Die „Jagd“ auf Wildkatzen hat begonnen

Die Tiere waren mal beinahe ausgestorben. Nun ist Beobachterin Karola Jackisch bei Waldmünchen auf der Suche nach ihnen.

Es ist gar nicht einfach, den idealen Standort für so einen Lockstock ausfindig zu machen. Weg von Straßen und Gehöften, mit Unterholz in der Nähe und im Idealfall Felsen oder Höhlen als Unterschlupf „drumrum“. Karola Jackisch aber weiß, worauf sie achten muss und entscheidet sich, nachdem sie sich vorher über das Gebiet schlaugemacht hat, schnell. Seit 2012 hat sich die Rundingerin der Wildkatze verschrieben, leitet die entsprechende Projektgruppe beim Bund Naturschutz (BN) und macht auf die Schutzwürdigkeit der Anfang des 20. Jahrhunderts beinahe ausgestorbenen Art aufmerksam.

Dies ist auch übergeordnet wichtig, denn die Wildkatze hat ähnliche Ansprüche wie andere tierische Waldbewohner. Kommt die Wildkatze klar, gilt das auch für Luchs, Uhu, Baummarder oder Fledermaus. „Naturnahe und strukturreiche Wälder“ sind ideal, erklärt die Rundingerin, Bereiche mit Lichtungen, Altbäumen, Felsen, Höhlen und Bachläufen. Vieles davon ist im Grenzgebiet bei Waldmünchen und Furth zu finden, so dass es nicht wundert, dass genau in diesem Bereich Tiere nachgewiesen wurden.

Dieser Beweis ist nur mittels DNA-Analyse erbringbar, erklärt die Expertin. Und diese ist teuer. Seit 2015, als das Anschubprogramm auslief, müssen die Kreisgruppen des BN die Kosten selbst tragen: 155 Euro pro Analyse. Was zur Folge hat, dass Karola Jackisch oft genau überlegt, ob sie dieses eine Haar vom gleichen Stock noch einschicken soll oder nicht. Der BN ist zudem folglich dankbar für jede Spende, schließlich ist eine umfangreiche Beobachtung das Ziel.

Überhaupt sei das Projekt Wildkatze nur im Team zu bewältigen, erklärt die engagierte Rundingerin. Sie freut sich unheimlich, dass das Netzwerk aus Menschen mit durchaus unterschiedlichem Hintergrund und Institutionen von Jahr zu Jahr größer wird. „Ich spüre, dass das Interesse und Engagement wächst“, unterstreicht sie.

Eine Sonderrolle im System spielen die Bayerischen Staatsforsten, die nicht nur erlauben würden, dass die Ehrenamtlichen ihre Stöcke auf deren Grund aufstellen. „Sie haben schon DNA-Proben bezahlt und zwei ihrer Revierleiter machen sogar beim Monitoring mit“, stellt sie heraus. Anerkennend erwähnt sie auch die Further Bergwacht, die Stöcke betreut.

Über 100 Stöcke

Der Stock, den Karola Jackisch in den Boden haut, trägt die Nummer 103 – so viele gibt es im Landkreis. Da sich nicht alle Lagen eignen, ist der BN mit Mitarbeitern in weiten Bereichen ganz gut abgedeckt. Richtung Tiefenbach/Charlottenthal allerdings würde sich Jackisch noch jemanden wünschen, auch der Südhang des Osser sei noch ein weißer Fleck auf der Karte.

Sonderlich aufwendig ist das Ehrenamt nicht, zumal es auf nicht einmal zehn Wochen begrenzt ist. Acht Mal nach Anbringen des Pflocks muss dieser kontrolliert werden, entsprechende Haarproben fachmännisch gesichert und verpackt. Die meisten Betreuer haben drei bis vier Stöcke, die immer mindestens einen Kilometer voneinander entfernt sein müssen. Mit dem Auto kein Problem, zu Fuß (im Winter, im tiefen Schnee) durchaus zeit- und kraftraubender.

Rund 20 Proben konnten die Naturschützer in den vergangenen Jahren sammeln, oft waren es auch Hauskatzenhaare, die sich beim Reiben in den Ritzen verfangen hatten. Karola Jackisch sieht das nicht als Rückschlag: „Es ist ein Forschungsprojekt und wir stecken mittendrin.“ So, wie sie die Daten der Kreis-Kontrolleure sammelt, gibt sie ihre Daten der Landesgeschäftsstelle weiter, wo dann alles umfassend dokumentiert wird.

Kontrollen ab Februar

Los geht es mit den Kontrollgängen im Februar, Karola Jackisch wäre froh, wenn sich Privatwaldbesitzer finden würden, die das Aufstellen von Lockstöcken erlauben. Wer sich das vorstellen kann – Beeinträchtigungen gibt es nicht –, möchte sich in der BN-Geschäftsstelle, (099 71) 9 95 24 37 oder cham@bund-naturschutz.de, melden. Dorthin können sich auch diejenigen wenden, die an einer Mitarbeit interessiert sind.

Umwelt- und Naturschutz, das sei schon immer ihr Ding gewesen, erzählt Karola Jackisch, die sich selbst als „grün angehaucht“ beschreibt. Um zu erklären, wie wunderbar die mäusefressende Wildkatze – rund zwölf am Tag – ist, erzählt sie die Geschichte von dem im Landkreis nachgewiesenen Kater, der in Hirschau entdeckt wurde und 64 Kilometer weiter bei Waldmünchen identifiziert wurde. „Das ist eine Sensation“, verdeutlicht Jackisch. Zum einen wegen der Entfernung (schon 40 Kilometer sind viel), zum anderen aber wegen der zwei Autobahnen, die der Jungkater queren musste. Schließlich ist die Straße Todesursache Nummer eins. Deswegen müsse man mit den Stöcken weit weg, im (Baldrian)Rausch werden die Tiere unvorsichtig…