Ein Miteinander von Jagd, Naturschutz und Landwirtschaft

„Gehen Sie aufeinander zu und halten Sie zusammen!“ Diesen Appell vor dem Hintergrund öffentlicher Kritik am Jagdwesen richtete die stellvertretende Landrätin Sabine Sitter als Vertreterin der Unteren Jagdbehörde am Freitag bei der öffentlichen Rehwild-Hegeschau an die Revierinhaber, Jäger und Landwirte in der Region Marktheidenfeld. Deutliche Worte fand die Kommunalpolitikerin in der gut besetzten Kreuzwertheimer Dreschhalle zum Thema Schwarzwild-Bejagung, die in ihrer Intensität im Sinne einer weiteren Bestandsreduzierung weiter vorangetrieben werden solle.

Fortschritte bei der Schwarzwild-Bejagung

Dass es im Landkreis Main-Spessart bei der Bejagung der hohen Schwarzwildbestände erkennbare Fortschritte gibt, bewies die stellvertretende Landrätin anhand diverser Abschusszahlen. So wurden im vergangenen Jagdjahr auf Landkreisebene 4460 Wildschweine erlegt. Im Jahr davor waren noch 5537 Sauen zur Strecke gebracht worden. Noch gravierender sei der Rückgang der Abschusszahlen im Bereich der Kreisgruppe Marktheidenfeld im Bayerischen Jäger- und Jagdschutzverband (BJV). Dort reduzierte sich im gleichen Zeitraum die Anzahl von geschossener Tiere von 1 051 auf 500. Sitter wertete diese Entwicklung als „wirksamen Eingriff“ in die Population. Wildschweine würden in der Flur erheblichen Schaden anrichten und sogar kleine Teile von Maisfeldern verwüsten können.

Auch Kreuzwertheims Bürgermeister Klaus Thoma plädierte für ein vernünftiges Miteinander von Jagd, Naturschutz und Landwirtschaft. Eine rundum positive Aussage war von ihm zum Bestand der Feldhasen zu hören. Die Population bei den „Langohren“, so wusste Thoma, hat sich auf 27 Tiere pro hundert Hektar erhöht. Deutliche Worte richtete er an die Hundebesitzer, deren Vierbeiner im „Wald an die Leine gehören“.

Hohes Engagement für den Naturschutz

Enno Piening, stellvertretender BJV-Landesvorsitzender und Chef der unterfränkischen Jäger, attestierte den versammelten Waidmännern ein hohes Maß an Engagement für den Naturschutz. Bei der Ausübung des Waidwerks gehe es vor dem Hintergrund angepasster Wildbestände nicht nach dem Motto „Sehen – schießen – heimgehen“. Der Rechtsanwalt aus Bad Kissingen rief seine Zuhörer auch zur gesellschaftlichen Verantwortung bei der Jagdausübung auf. Dem Wald komme schließlich auch eine bedeutende Funktion für den Wasserhaushalt zu, ferner spiele der Faktor Erholung eine nicht unwesentliche Rolle. „Die Jagd muss Freude machen“, legte der Funktionär seinen in Kreuzwertheim anwesenden Kollegen ans Herz.

Es sei keine Frage, ob, sondern, wann sie kommt, sagte Sabine Roth vom Staatlichen Veterinäramt in Karlstadt, als sie fast eine Stunde lang zum Thema Afrikanische Schweinpest referierte. Diese Seuche war in mehreren osteuropäischen Ländern und in Belgien ausgebrochen war. Deutschland ist bislang verschont geblieben. Die Veterinärmedizinerin legte den Waidmännern nahe, wie im „Ernstfall“ mit der Schweinepest umgegangen werden soll.

Kritische Stimmen zum Wildverbiss

Werner Ühlein, Sachgebietsleiter bei der Unteren Jagdbehörde, hatte ein aktuelles Foto mitgebracht, das ihm vom Landesamt für Umwelt- und Naturschutz zur Verfügung gestellt wurde und einen Wolf im Landkreis Bad Kissingen zeigte. Das Thema „Wölfe im Landkreis Main-Spessart“ kam nicht zur Sprache, obwohl angeblich im Raum Birkenfeld-Billingshausen-Zellingen die räuberischen Vierbeiner bereits gesichtet worden sein sollen. Wenig Chancen räumte Ühlein der Erlaubnis von Nachtsichtgeräten ein.

Kritische Aussagen zum Thema „Wildverbiss“ waren von Wolfgang Netsch vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zu hören. Primär ging es um das vegetationskundliche Gutachten in Zusammenhang mit zunehmendem Verbiss junger Forstpflanzen. Für sein Amt sei dieses Gutachten mit einem „gigantischen Personalaufwand“ verbunden, sagte Netsch und verteidigte die zum Teil deutliche Erhöhung des Rehwildabschusses. Der Forstmann beklagte im weiteren Verlauf seines Referates den negativen Einfluss des Klimawandels auf den Wald. Trockene Kiefern und Bäume, die keine Blätter mehr zeigten, seien keine Seltenheit.