Frühlingsbote Schwarzer Holunder

Das erste Laub im Wald trägt der Schwarze Holunder (Bild: wy)

Je nach Höhenlage und örtlichem Klima etwas früher oder später, entdeckt man schon um diese Zeit das erste Laub im Wald: Der schwarze Holunder schlägt bereits lange vor dem Mai aus, der ja einem bekannten Volkslied zufolge die Bäume erst wieder grün macht.

Das erste Laub im Wald trägt der Schwarze Holunder (Bild: wy)
Das erste Laub im Wald trägt der Schwarze Holunder (Bild: wy)

Wenn man beim Reviergang oder beim Spazierengehen im Wald erste grüne Flecken auf dem Braun des vorjährigen Falllaubes sieht, noch vor den Blüten der Frühblüher, kann man auch schon Laub an den schwarzen Holundersträuchern entdecken. Sambuca nigra, wie der Holder-, Holler- oder Fliederbeerbusch mit dem wissenschaftlichen Namen heißt, hat es offenbar so ziemlich am eiligsten von den ganzen Gehölzen im Wald, die nun immer steiler und länger scheinende Sonne für die Photosynthese zu nutzen.

Das braucht eigentlich nicht zu verwundern, denn man findet ihn typischerweise an schattigen Standorten wie eben im Wald. Und da lohnt es sich eben, die Sonnenstrahlen schon zeitig zu nutzen, bevor die höheren Gehölze sie mit ihrem Laub wegfangen. Damit trägt er nicht dann nicht nur zum Bild des Waldes im zeitigen Frühjahr bei, sondern bietet auch schon etwas Äsung für das Wild, das ja jetzt im zeitigen Frühling immer noch knapp dran ist.

Mit dem Blühen lässt sich der Holder dann bis zum Frühsommer Zeit. Die schirmtraubigen – so der botanische Fachausdruck für diese Form – Blütenstände kann man für „Holderküachla“ (Holunderkrapfen, Holunderküchlein), zum Herstellen von Sirup und für Tee benutzen. Die schwarzen Beeren, die er noch später trägt, eignen sich zum Herstellen von Saft und Marmelade. Roh sollte man sie nicht verzehren, denn sie enthalten ein schwaches Gift, welches beim Erhitzen zerstört wird. Marmelade und heiß gewonnener Saft aus den Holunderbeeren sind daher unproblematisch.

Das Holz des Holunders wird recht fest, wenn es älter wird. Es eignet sich zum Beispiel für Drechselarbeiten, insbesondere für lange, schlanke Gegenstände wie hölzerne Stricknadeln. Die jüngeren Zweige mit dem ausgeprägten Markkanal kann man verwenden, wenn man für Bastelarbeiten hölzerne Röhrchen braucht, etwa als Pfeifenstiel für eine Maiskolbenpfeife.

Volker Wollny