Fünf Fragen an Dr. Dirk-Henner Wellershoff

Gespräch mit dem Präsidenten des LJV-Brandenburg zu aktuellen jagdpolitischen Themen

Fünf Fragen an Dr. Dirk-Henner Wellershoff, den Präsidenten des Landesjagdverbands Brandenburg e.V. und Vize-Präsidenten des Deutschen Jagdverbands (DJV):

Outfox-World: Sie bekamen zu den DJV-Vorstandswahlen heftigen Gegenwind aus dem eigenen Landesverband. Einigen Jägern waren Sie zu kompromissbereit in den Verhandlungen zur Durchführungsverordnung des brandenburgischen Jagdgesetzes. Hätte es Alternativen zu Ihrer Linie gegeben?

Dr. Dirk-Henner Wellershoff: Wir stehen in Brandenburg vor Landtagswahlen zum 01.09.19. Leider lassen die derzeitigen Umfragen ein gutes Ergebnis für Die Grünen erwarten. Die Regierungskoalition hat keine Mehrheit mehr, so dass wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Grüne Regierungsbeteiligung erwarten. Die handelnden Personen, allen voran Benjamin Raschke, lassen uns für die Jägerschaft nichts Gutes erwarten. Beispielhaft nenne ich die Themen: Trophäenjagd, Jagd auf Federwild an Gewässern, Raubwildbejagung etc…

Die Grünen haben sehr klar formuliert, dass beim Waldumbau („Stichwort Klimawandel“) Schalenwild als Haupthemmnis identifiziert wird. In der jetzt vorliegenden Fassung der DVO Brandenburg konnten wir unter enormen Zeitdruck erstaunliche Verhandlungserfolge erzielen: Bejagung auf Schalenwild nur bis 15.1., Mitsprache der Hegegemeinschaften bei Abschussplänen usw… Eine detaillierte Übersicht lege ich Ihnen bei.

Wären wir aus den Verhandlungen ausgestiegen, so wäre sicherlich die erste Fassung durchgewunken worden. Auf das Verhandlungsergebnis können wir stolz sein. Wenn dieser Kompromiss mehrere Jahre trägt, haben wir sehr viel für die Jagd in Brandenburg erreicht. Insofern gab es keine Alternative. Dies hat auch die Sitzung des erweiterten Präsidiums einstimmig so bestätigt.

Brandenburg steht beispielhaft für den Konflikt zwischen kommerziellem Waldbau und waidmännischer Schalenwildhege. Hätten Sie härter vorgehen müssen?

Noch härter??? Politische Verhandlungen bedeuten auch immer, auf einander zuzugehen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Als ernstzunehmender Gesprächspartner muss ich dabei auf die Befindlichkeiten aller Beteiligten Rücksicht nehmen. Auch im Landesjagdverband vertrete ich ja nicht nur streng konservative Jäger, sondern auch viele Begehungsscheininhaber im Landesforst und auch viele Förster. Nicht der am lautesten schreit, vertritt die Mehrheit. Aus dem Verband habe ich sehr viel Unterstützung für den gewählten Kurs erhalten. Nur sachlich, ruhig und besonnen bleiben wir ein ernstzunehmender Gesprächspartner für die Landespolitik.

Deutschland ist grüner geworden. Da drohen Regierungsbündnisse, die vielen Jägern gar nicht schmecken. Brandenburg könnte nur ein Vorgeschmack sein. Welche Konsequenzen hat das nach Ihren Erfahrungen für die Verbandsarbeit?

Die vorgenannten Argumente gehen auf eben diese Frage ein. Wir müssen als Jäger in der Öffentlichkeit deutlich offensiver unsere unendliche Arbeit als Naturschützer darstellen. Mit unseren Lernort-Natur-Mobilen und -Anhängern erreichen wir eine breite Öffentlichkeit, welche unsere vielfältige Arbeit bislang gar nicht kennt. Das verstaubte Bild des lodentragenden Jägers mit grauem Bart müssen wir aktiv verändern. Dazu gehört genauso die Nutzung von modernen Medien, kombiniert mit aktiver Jugendarbeit. Der DJV ist da genau auf dem richtigen Weg – in Brandenburg arbeiten wir daran. „Nichtnureinsummen.de“ und „wolfbleibtwolf.de“ sind unsere ersten Kampagnen auf diesem neuen Weg.

Der Wolf steht in der Auseinandersetzung als Symbolfigur. In Sachsen unterliegt er dem Jagdrecht. Rechtfertigen die Erfahrungen dort die DJV-Position, dies bundesweit zu fordern?

Wir konnten bei den Verhandlungen über die Wolfsverordnung in Brandenburg erreichen, dass die Revierinhaber vor einer Wolfsentnahme gefragt werden müssen, ob sie selbst aktiv werden möchten.

Es ist vollkommen unakzeptabel, dass Dritte im Rahmen einer GSG-Wolf für Entnahmen in unseren Revieren aktiv werden. Das weicht das deutsche Reviersystem auf. Später bekommen wir GSG-Biber und GSG-Nutria und wen auch immer. Jagd ist erfolgreich im deutschen Reviersystem, dafür benötigen wir gut ausgebildete, einheimische Jäger. Der Wolf ist ein wildes Tier und gehört in das Jagdrecht. Die kläglichen Entnahmeversuche in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zeigen, dass es ohne Jäger mit Revierkenntnissen vor Ort nicht funktioniert.

Wagen Sie für uns einen Blick in die Zukunft? Jagd als Schädlingsbekämpfung in einem auf ökologische Schlagworte fixierten Umfeld? Oder Rückbesinnung auf bewährte Regeln?

Die Wahrheit liegt sicherlich in einer ausgewogenen Mitte. Bewährte Traditionen und Regeln müssen wir erhalten. Mit Sachverstand und Umsicht sollten neue Erkenntnisse wissensbasiert einfließen und auch umgesetzt werden. Die Zukunft sieht nie aus wie die Vergangenheit. Veränderungen hat es in allen jagdlichen Belangen immer gegeben. Wir als Jäger sind dabei gefragt, die anstehenden Prozesse mit Augenmaß zu gestalten und unsere Rolle als aktive Naturschützer, welche im ganzen Bundesgebiet flächendeckend im Einsatz sind, deutlicher hervorzuheben. Denn wir sind die wirklichen Grünen!!!

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen Herr Dr. Wellershoff.