Handy-Navigation im Revier, Möglichkeiten und Grenzen: GPS anwenden, testen und verbessern

GPS Test (links) und GPS Connected (rechts)

Bereits vor einiger Zeit habe ich hier die Outdoor-Navi-App ViewRanger vorgestellt. Mittlerweile habe ich mit der GPS-Navigation weitere Erfahrungen im Revier und anderswo gesammelt und daher zusätzliche Tipps parat. Es geht dabei um grundsätzliche Dinge, die man mit allen Outdoor-Navigations-Apps machen kann, nicht nur mit ViewRanger.

GPS Test (links) und GPS Connected (rechts)
GPS Test (links) und GPS Connected (rechts)

Genauigkeit von GPS bei Smartphones

Grundsätzlich reicht auch der GPS-Empfänger in einem weniger aufwändigen Smartphone aus, um damit einfache Navigations-Aufgaben zu lösen. Allerdings gibt es Grenzen. Eine davon ist die Genauigkeit, mit welcher der Standort ermittelt wird. Die ist bei einem reinen GPS-Fix auf dem Handy meist recht begrenzt und oft nur auf 20 oder 25 Meter genau.

In urbanen Gebieten können Handys in der Umgebung befindliche WLAN-Hotspots mit bekannten Positionen heranziehen, um die Positionsgenauigkeit zu verbessern, was natürlich im Wald und auf der Heide nicht funktioniert. Auch Mobilfunkstationen können bei der Standortbestimmung benutzt werden, was aber auch nur geht, wenn welche in der Nähe sind, was draußen im freien Gelände oft nicht der Fall ist. Einen Punkt in stockfinsterer Nacht auf den Meter genau wiederzufinden, wird daher nicht so ohne weiteres gehen. Aber auch so kann man GPS im Revier recht sinnvoll einsetzen.

„Unsichtbare“ Satelliten

Da die beim GPS verwendeten Funkwellen so kurz sind, dass man sie (natürlich übertrieben gesagt) fast schon sieht, verhalten Sie sich bei der Ausbreitung recht ähnlich wie Licht. Daher müssen Satelliten in Sicht sein, wenn man sie verwenden will. Das wird außer zwischen hohen Gebäuden nicht nur in engen Tälern und Schluchten zum Problem, sondern auch unter dem Kronendach von Bäumen.

Das wiederum kann Schwierigkeiten beim Auffinden von Hochsitzen in Beständen machen. Das Angehen von Sitzen in stockfinsterer Nacht ist aber sowieso problematisch, weil man dabei auch als Revierkundiger Radau macht. Daher sollte man zu solchen Sitzen sowieso geräuschlos zu begehende Pirschpfade anlegen, die man so markiert, dass sie auch im Dunkeln leicht auffindbar sind, z.B. mit hellen Steinen. Den Anfang – für das Auge des normalen Waldbesuchers möglichst nicht zu sehen – eines solchen Pirschpfades markiert man unauffällig, aber so, dass derjenige, der weiß, nach was er gucken muss, ihn auch im Dunkeln leicht findet. Zum Beispiel mit einem Stück reflektierenden Trassierband in einiger Höhe, welches im Licht der Autoscheinwerfer oder der Taschenlampe aufleuchtet. Diesen Anfangspunkt nimmt man dann als Zielpunkt auf. Auch wenn das GPS nicht so genau ist, wird auch ein revierunkundiger Gast die Markierung dann mit einer Navi-App recht leicht finden und auf dem markierten und gut gefegten Pirschpfad den Hochsitz geräuschlos erreichen.

Punkte wiederfinden

Um sich einen Punkt zu merken, an dem man einen anderen Jagdgast in einem unvertrauten Revier abgesetzt hat, reicht die Genauigkeit von Handy-GPS-Empfängern allemal, wobei außerhalb von Beständen auch der freie Blick zum Himmel gegeben ist, so dass das GPS funktioniert. Schließlich sieht man den Abzuholenden ja an der Forststraße stehen und er einen kommen bzw. hat man ihn an der Abzweigung eines Maschinenweges oder einer Rückegasse abgesetzt, die man ebenfalls leicht wiederfindet, wenn einen das GPS auf 10 oder 20 m heran gebracht hat.

Um aus großen Revieren auch bei Dunkelheit, Nebel und/oder Schneetreiben wieder herauszufinden, reicht das GPS eines handelsüblichen Smartphones in Verbindung mit einer Outdoor-Navigations-App ebenfalls. Man markiert sich beim Kommen einen Punkt, von dem aus man wieder heimfindet, z.B. den Zugang zum Revier von der öffentlichen Straße oder den Platz, an dem man sich nach dem Ansitz wieder treffen will. Falls man sich nicht sicher ist, ob man vom Treffpunkt wieder aus dem Revier hinaus findet, markiert man sich den Eingang von der Öffentlichen Straße ebenfalls – für den Fall, das irgend etwas dazwischen kommt und man am Treffpunkt niemand mehr findet.

Wenn man den markierten Punkt dann nach dem Ansitz ansteuern will, fährt man die Forststraßen entlang und biegt an jeder Abzweigung so ab (bzw. fährt geradeaus weiter), dass man mit der neuen Richtung möglichst nahe an die angezeigte Richtung zum Ziel kommt, bis schließlich der anvisierte Punkt in der Karte der Navi-App auftaucht und man direkt sieht, wie man die letzten paarmal abbiegen muss.

Auch wenn man zu Fuß quer Beet marschiert, reicht eine Genauigkeit von 20 oder 25 Metern aus, um sein Auto oder den Waldausgang zu finden. Problematisch wird hier eher, dass das GPS unter Bäumen womöglich die Satelliten nicht „sieht“.

Falls man vergessen hat, vorher einen „Heimkehrpunkt“ zu markieren, bedeutet das noch lange nicht den Hunger-, Durst- und/oder Kältetod im finsteren Wald. In diesem Falle sollte man aber Karten lesen können, zumindest soviel, dass man auf der Karte in der App das nächste Dorf oder den Ausgang eines Waldweges zu einer öffentlichen Straße ausmachen und als Zielpunkt markieren kann.

Den Fix nicht verlieren

Ein Problem bei Handy-GPS-Empfängern ist, dass sie oft eine ganze Weile brauchen, bis sie einen Satelliten-Fix haben und es losgehen kann. Grundsätzlich kann man immer einen Satelliten-Fix bekommen, sofern der Empfänger genug Satelliten „sieht“, auch ohne Verbindung zu irgend einem Netz. Jedoch kann eine Mobilfunkverbindung den Fix beschleunigen. Smartphones, die A-GPS (Assisted GPS) verwenden, holen sich die Positionsdaten von Satelliten über das Mobilfunknetz, welches diese zur Verfügung stellt. Wenn das GPS-System vorab schon einmal weiß, wo sich die Satelliten befinden, geht der Fix deutlich schneller.

Ohne Zusatzinformationen über das Mobilfunknetz kann es also schon einmal dauern, bis man einen GPS-Fix hat, was im Revier öfter der Fall sein wird. Hat man den Fix erst einmal, kann ab da die jeweils aktuelle Position in aller Regel so schnell ermittelt werden, dass deren kontinuierliche Anzeige auch in der Bewegung möglich ist – man kann nun also navigieren.

Das Problem ist nun, dass Smartphones auch bei in den Einstellungen eingeschaltetem GPS den Kontakt zur Antenne unterbrechen, um Strom zu sparen, wenn z.B. die App beendet wird, welche das GPS verwendet. Dabei verliert man dann aber den Fix und muss ihn erneut herstellen, wenn er wieder benötigt wird. ViewRanger etwa tut dies offenbar auch dann, wenn man nach Erreichen eines Zieles das Navigieren beendet, ohne das Programm zu verlassen. Will man nun einen weiteren Punkt annavigieren, muss erst wieder der Fix hergestellt werden, was Zeit und Nerven kosten kann. Doch auch hier kann man sich helfen: Es gibt eine kleine App namens GPS Connected, die verhindert, dass die Verbindung zur GPS-Antenne unterbrochen wird und der Fix verloren geht. Natürlich braucht das Handy dadurch mehr Strom, aber auch beim langen Suchen nach einem Fix wird unnötig Strom verbraucht.

GPS Connected kann man sich aus dem PlayStore herunterladen und installieren. Wenn man die App startet, zeigt sie lediglich zwei Schaltflächen, die mit „Lock GPS“ und „Unlock GPS“ beschriftet sind. Mit der ersten kann man den Dienst einschalten, der das Trennen der Verbindung zur GPS-Antenne verhindert, mit der zweiten schaltet man ihn wieder aus. Wenn der Dienst eingeschaltet ist, kann man die App auch wieder beenden, der Dienst läuft trotzdem weiter.

Einen Screenshot von GPS Connected ist in der Abbildung auf der rechten Seite zu sehen. Auf der linken sieht man einen Screenshot von GPS Test, einer App mit der man feststellen kann, ob und wie gut das GPS arbeitet. Es zeigt vor allem an, wie viele Satelliten empfangen und wie viele davon benutzt werden. Außerdem wird angezeigt, wie genau der GPS-Ort ist. Auf diese Weise kann man sich ein Bild davon machen, was man von seinem GPS am jeweiligen Ort erwarten kann.

Wichtig ist natürlich auch die Stromversorgung, vor allem, wenn man das GPS mit GPS Connected am Laufen hält und so den Stromsparmechanismus aushebelt. Solange man im Auto sitzt, ist die Stromversorgung noch kein Problem, da man ja mit einem Ladegerät fürs Auto ständig nachladen kann. Ist man jedoch zu Fuß unterwegs, gehen die Akkus der üblichen Handys recht schnell in die Knie. Für den Weg zu einem Hochsitz und zurück wird der Akku normalerweise reichen, wenn man das GPS während des Ansitzes abschaltet. Problematisch wird es, wenn man längere Reviergänge unternimmt, beispielsweise, um Hochsitze zu kontrollieren und dabei quer durch den Wald abkürzen will. In so einem Fall ist ein zweiter, frisch geladener Akku hilfreich. Man kann auch so genannte Powerbanks verwenden, das sind universelle Zusatzakkus, die man zuhause oder im Auto lädt und dann per USB-Kabel anstelle eines Netzteils an das Smartphone anschließt.

Wenn das GPS versagt

Nicht nur ein leerer Akku kann unsere ganze schöne GPS Navigation wertlos machen, es kann auch einmal sein, dass das GPS unter einem dichten Baumkronendach, unter dichten Wolken oder bei starkem Schneetreiben nicht funktioniert und schließlich kann ja auch das Handy kaputtgehen.

Wenn man weiß, in welcher Himmelsrichtung der Waldrand liegt, ist das in unseren Gefilden kein großes Problem, denn dieser ist bei uns eigentlich nie wirklich weit entfernt. Allerdings kann es, wenn man die Sonne nicht sieht (und wenn das GPS die Satelliten nicht mehr „sieht“, ist das typischer Weise so), schneller als man denkt passieren, dass man nicht mehr weiß, wo welche Himmelsrichtung ist, auch wenn man das sonst in der Regel auf dem Schirm hat. Bei unsichtigem Wetter bzw. unter dem Kronendach des Waldes sieht man nachts auch keine Sterne und somit auch nicht den Großen Wagen, der einem sonst die ungefähre Nordrichtung zeigt und sogar die ziemlich genaue, wenn man von ihm aus den Polarstern finden kann.

Hier ist dann ein ganz einfacher Marschkompass Gold wert – sofern man eben weiß, ob der Waldrand im Süden, Westen, Norden oder Osten liegt. Das sollte man sich auf jeden Fall merken, wenn man in den Wald hinein geht oder fährt, vor allem, wenn man zu den Leuten gehört, die allgemein Schwierigkeiten mit den Himmelsrichtungen haben. Es empfiehlt sich auch, sich etwas markantes im Gelände zu merken, etwa ein nahegelegenes Dorf, ein Feldgehölz oder eine Feldscheuer – und natürlich, in welcher Richtung dieser Punkt von der Stelle aus liegt, an der man in den Wald geht.

Wenn man nicht weiß, wo man ist, ist das klassische Anmarschieren eines Punktes mit Karte und Kompass zwar nicht möglich, zumal man wahrscheinlich auch keine Karte aus Papier dabei hat. Aber der Waldrand ist das, was man in diesem Zusammenhang als Auffanglinie bezeichnet. Angenommen, er liegt im Osten, wird man ihn unweigerlich erreichen, wenn man nach Osten marschiert und kann an ihm entlang dann den Punkt finden, an dem man den Wald betreten hat. Hat man sich dazu auch den erwähnten markanten Punkt gemerkt, weiß man auch, in welche Richtung man gehen muss.

Was man auch noch wissen muss: Im Inneren eines Autos zeigt ein Magnetkompass falsch an, weil das ganze Eisen um ihn herum ihn beeinflusst. Will man sich mit dem Auto nach dem Kompass in eine bestimmte Himmelsrichtung bewegen, muss man an jeder Kreuzung bzw. Abzweigung anhalten, aussteigen, ein Stück vom Auto weggehen und dann anhand des Kompasses abschätzen, welcher der möglichen Wege der gewünschten Himmelsrichtung am besten entspricht.

Volker Wollny