High Society streift auf der Jagd durch die Wälder im Außerfern

In Außerferner Jagdgebieten geben sich Betuchte von internationalem Rang die Büchse in die Hand. Die meisten legen Wert auf Diskretion und werden kaum wahrgenommen. Die Wertschöpfung ist enorm.

Außerfern – Es gibt sie noch, die Hobbys, die den kleinen Unterschied machen. Das Betreiben eines Gestütes fällt darunter, auch das Pachten einer Jagd. Um rund 20.000 Euro pro Jahr ist eine Kleinjagd mit 120 Hektar im Außerfern zu haben. Manchen hier ist ihr Statussymbol auch bis zu 400.000 € wert. Im Bezirk Reutte streift jedenfalls das Who is who der Unternehmerwelt durch die Wälder – und niemand nimmt es wahr. Sicherlich ganz im Sinne der „Leisetreter“.

Heimische Kapazunder sind die Familien Schwarzkopf und Swarovski, die seit Jahrzehnten eigene Jagden betreiben. Langes-Swarovski kann in Biberwier mit eigenen Ferngläsern dem Wild nachstellen, „Plansee“ jagt am gleichnamigen See in Breitenwang und Heiterwang dem Wild hinterher. Industrielle sind auch in Ehrwald anzutreffen. Hier nimmt Maria Elisabeth Schaeffler-Thumann im Gebiet Ehrwald Untere Hirsche ins Visier. Die Senior-Chefin der Schaeffler AG, deutscher Zulieferer der Automobil- und Maschinenbauindustrie, wurde schon in der Forbes-Liste der Reichsten der Welt auf Platz 90 gereiht. Der Schaeffler-Umsatz betrug 2017 14 Milliarden Eur­o mit 91.000 Mitarbeitern. Gern gesehener Jagdgast ist dort auch der Obmann der Hegegemeinschaft Zwischentoren und Putin-Freund Siegfried Wolf, ehemaliger Magna-­Vorstand und nun u. a. Aufsichtsratsvorsitzender der „Russian Machines“ von Oligarch Oleg Deripaska.

Die Bacher Genossenschaftsjagd war viele Jahre lang in der Hand des ehemaligen Novartis-Chefs Daniel Vasella. Mit seinem kürzlichen Ausscheiden hat die Fixierung des Pächters von Biotechnologie und Pharma auf Fußball gewechselt. FC-Bayern-München-Finanzvorstand Jan Christian Dreesen schaltet hier im Wald vom 657-Mio.-Umsatz auf kleine Erfolgserlebnisse zurück. Erst vor wenigen Wochen hat Daniel Vasella übrigens seinen Hochsicherheitshangar am Flugplatz Höfen, ehemaliger Unterstand für seinen Privathubschrauber, dem Flugsportverein Reutte-Höfen überlassen. Ein Baurechtsvertrag hatte das Geschenk schon vor Jahren, aber noch ohne Datum, dingfest gemacht. Ein VW-Porsche-Vorstand ist nun Nachnutzer. Vasella – ein wahrer Big Spender – hat vor zwei Jahren eine sechsstellige Summe zum Bau der neuen Asphaltbahn am Flugplatz zur Verfügung gestellt, heißt es aus Fliegerkreisen.

Zurück in die Wälder Weißen­bachs. Dort hat Ver­a Conle-Kalinowski, eine von drei Töchtern des früheren LTU-Gründers Kurt Conl­e, den Finger am Abzug. Das Schwarzwassergebiet ist ihr Reich und das ihres Mannes Horst. Nicht weit am anderen Lechufer sitzt das Ehepaar Zimmermann/Behr an. Der süddeutsche Autozulieferer und Kühlerspezialist (Mahle-)Behr hat seit über 80 Jahren die Jagden Reutte Obere und Ehenbichl/Rieden unter sich.

In Stanzach kann ein weltweit tätiger Biopharma-Unternehmer ausgesuchten Kunden einen Abschuss gönnen. Dort ist Alleingesellschafter Nikolaus F. Rentschler als Jagdpächter unterwegs. In Musau und Rauth drehen sich die Gespräche beim Anmarsch zu Hochständen nicht selten um Düft­e. Die Jagdpächter heißen Erwin und Anita Müller. Sie nennen den Vier-Milliarden-Konzern Müller Drogerien ihr Eigen. Und in Zöblen/Schattwald feuert blaues Blut auf rotes. Hier lädt Karl Magnus Graf Leutrum von Ertingen aus schwäbischem Adelsgeschlecht die Büchse nach.

Zu dieser – vollkommen unvollständigen – Aufzählung der Außerferner Jagdprominenz gehören noch weitere von Einheimischen betriebene Jagden. Bei „Ehrwald Obere“ teilen sich etwa Franz Dengg und die Gebrüder Pesendorfer den Ansitz. Das Lermooser Jagdgebiet Schober/Schöberle untersteht den Gerbers. Im Namloser und Berwanger Tal werden die Jagden Bichlbächle, Berwang, Rinnen, Mitteregg, Brand, Kelmen und Namlos von Hiesigen geführt.

Die Wertschöpfung, die durch die Jagdlust generiert wird, dürfte enorm sein. So stehen allein 100 Berufsjäger und Jagdaufseher auf der monatlichen Payroll der Pächter. Jagdpacht, Dienstautos für Jäger, Konsumation und Übernachtung der eingeladenen Jagdgäste, Futtermittel um fast eine Million Euro, Geschenke an die Gastgemeinden – den einzelnen Bock dürften die im Berufsleben so hart Rechnenden wohl nicht wirklich kalkulieren.

Das Außerfern zieht potente Jägersleute an. Einzig die „Big Five“ sind hier nicht zu erlegen und befinden sich wohl eher hinter als vor der Flinte. Wer die wenigen Momente des öffentlichen Erscheinens dieser „Hidden Hunters“ einmal mitverfolgen möchte, für den empfiehlt sich die Trophäenschau Reutte am 13. und 14. April.