Ist die Fuchsbejagung noch sinnvoll?

Meister Reinecke: Lohnt es sich noch, ihn zu bejagen? (Bild: Martin Mecnarowski, Lizenz: CC)

In früheren Zeiten war es ganz selbstverständlich, dass man auf jeden Fuchs schoss, der in Anblick kam, wenn man nicht gerade Angst hatte, damit anderes Wild, auf das man eigentlich jagte, zu vergrämen. Schon seit Jahren jedoch wird die Fuchsbejagung nicht nur von Außenstehenden, sondern auch von manchen Jägern kritisch gesehen.

Meister Reinecke: Lohnt es sich noch, ihn zu bejagen? (Bild: Martin Mecnarowski, Lizenz: CC)
Meister Reinecke: Lohnt es sich noch, ihn zu bejagen? (Bild: Martin Mecnarowski, Lizenz: CC)

„Fuchs kann immer kommen“, sagte man früher, um zu begründen, dass man im Revier stets Schrot und/oder die kleine Kugel bereithielt. Auch gezielt wurde der Fuchs scharf bejagt, denn als der Fuchsbalg noch so viel galt, dass man mit den Erlösen fleißiger Fuchsbejagung Jagdpacht oder teure Ausrüstungsgegenstände bezahlen konnte, lohnte sich die für den Ansitz in Winternächten bzw. die Aufstellung und Revision von Fallen aufgewendete Zeit auch in klingende Münze.

Weil Pelzbekleidung heute kritisch gesehen wird und der noch verbliebene Bedarf an Fuchsbälgen aus Tierfarmen und mit Importen gedeckt wird, wird der Fuchs heute lange nicht mehr so scharf bejagt wie früher. Ob nun dabei die Tollwutimpfung mittels ausgelegter Impfköder auch eine Rolle spielt, ist zwar strittig, aber es ist eindeutig, dass es wesentlich mehr Füchse gibt als früher. Dass zeitgleich auch die Niederwildbesätze stark abgenommen haben, es nur noch wenige Hasen und vielerorts überhaupt keine Rebhühner mehr gibt, legt zumindest scheinbar nahe, dass die hohe Fuchsdichte der Grund dafür ist.

Sollten wir daher den Fuchs wieder stärker bejagen? Es gibt eine Regel, dass man die gleiche Zeit, die man auf Niederwild jagen möchte, auch in die Bejagung von Raubwild stecken muss, wenn man bei Anstand, Stöbern und Suche auch ordentlich etwas vor die Flinte bekommen möchte. Das war natürlich wesentlich einfacher, als die Raubwildbejagung sich zusätzlich zum Hegeerfolg auch noch in klingender Münze auszahlte.

Jäger in Feldrevieren müssen heutzutage sehr viel in der Nacht ansitzen, um die Schäden durch Schwarzwild wenigstens einigermaßen im Rahmen zu halten. Eigentlich liegt es nahe, dabei auch jeden zufällig vorbeikommenden Fuchs als Beifang mitzunehmen. Die Benutzung der kleinen Kugel bzw. des Schrotschusses – sofern man überhaupt noch einen Drilling führt – oder gar der großen Kugel wird dabei gescheut, weil man fürchtet, damit das Schwarzwild zu vergrämen, auf das man sonst eventuell zu Schuss gekommen wäre.

Wer das Glück hat, in einem Waldrevier jagen zu dürfen, schont den Fuchs erst recht, da er nicht auf Niederwild jagt, sondern auf Schalenwild. Vor allem Förster und waldbaulich denkende mithelfender Jäger im Forst schießen in erster Linie auf Rehe, weil diese dem Wald schaden. Den Fuchs sieht man im Forst hingegen eher als nützlich an, da er Mäuse frisst, welche den feinen Baumwurzeln schaden können.

Im Wald ist der Anreiz, auf Füchse zu jagen, also praktisch gleich null, es sei denn, man ist daran interessiert, den Balg selbst zu verwerten. Aber lohnt sich die Fuchsbejagung zur Niederwildhege im Feld noch?

Leider ist es nun so, dass der Rückgang von Hase und Rebhuhn keinesfalls allein auf die zweifellos heute höhere Fuchsdichte zurückzuführen ist. Veränderungen in der Landwirtschaft spielen dabei ebenfalls eine große Rolle. Wenn heute Wiesen bereits im Mai gemäht werden, um aus dem Gras Silage herzustellen, kommen die Wiesenpflanzen, die erst später aussamen nicht mehr zur Vermehrung. Dadurch gibt es heute wesentlich weniger Pflanzenarten als zu der Zeit, als man noch Heu machte und noch wesentlich mehr Wiesenkräuter vor dem ersten Grasschnitt zum Aussamen kamen.

Da der Hase bekanntlich die 77 verschiedenen Kräutlein der sprichwörtlichen Hasenapotheke braucht (wobei diese Zahl natürlich nicht wörtlich zu nehmen ist), sind die heutigen artenarmen Wiesen ein Problem für ihn. Dass die Feldflur heute weniger strukturiert ist als früher, mag ebenfalls eine Rolle spielen, obwohl Feldhecken beispielsweise nicht nur dem Niederwild Deckung geben, sondern auch dem sich anpirschenden Räuber. Und sicherlich spielen die in der Landwirtschaft verwendeten Chemikalien ebenfalls eine Rolle.

Mit der Fuchsbejagung alleine wird man also die Verhältnisse einer Feldflur wie es sie früher gab nicht wiederherstellen können. So wie viele Hunde bekanntlich des Hasen Tod sind, sind es natürlich auch viele Füchse: Wenn es wenige Hasen und viele Füchse gibt, ist das Risiko des einzelnen Hasen, in einem Fuchsmagen zu enden, recht hoch.

Gegner der Raubwildbejagung weisen darauf hin, dass bei diesbezüglichen Untersuchungen in den Mägen von Füchsen hauptsächlich Mäuse, jedoch wenig Überreste von Hasen gefunden werden. Das belegt jedoch nicht, dass Füchse keine Hasen fressen würden. Wenn es viele Füchse aber wenige Hasen gibt, ist die Chance für einen Fuchs, einen Hasen zu erwischen, ziemlich gering. Da der Fuchs sich ohne weiteres hauptsächlich von Mäusen ernähren kann, von denen es genug gibt, gibt es viele Füchse und natürlich sind in deren Mägen dann eben vor allem Mäuse zu finden. Dazu kommt, dass Füchse zu einem großen Teil an Orten und zu Zeiten mit vielen Mäusen geschossen werden, etwa an frisch gemähten Wiesen.

Auch wenn dann ein großer Teil der wenigen noch verbliebenen Hasen Füchsen zum Opfer fällt, wird man in Fuchsmägen eher selten Überreste davon finden: Wenn auch bei der Lotterie die Chance des einzelnen Spielers gering ist, den Hauptgewinn zu erhalten, so ist doch die Chance des Hauptgewinns, gewonnen zu werden ziemlich hoch.

Im Wald kann man sich das Schießen auf Füchse komplett schenken, wenn man nicht am Balg interessiert ist. Der eine oder andere Küchenhase kommt einem auch so immer wieder einmal vor die Mündung. Es ist auch zweifelhaft, dass es früher im Wald wesentlich mehr Hasen gegeben hat, denn der Hase ist kein Waldtier, sondern lebt normalerweise in der Steppe. Deswegen ist er bei uns ja auch erst aufgetaucht, als die Menschen begonnen hatten, Wald zu roden, Ackerbau zu betreiben und damit steppenähnliche Flächen zu schaffen.

Im Feldrevier wird man mit einer gezielten und konsequenten Bejagung von Füchsen eventuell eine gewisse, vielleicht sogar eine deutliche Verbesserung der Niederwildbesätze erreichen können. Dass man damit jedoch wieder die reichhaltigen Strecken ermöglicht, die man vor 50 oder 80 Jahren auf Treibjagden erzielte, ist illusorisch, auch wenn man noch so viel Zeit auf die Raubwildbejagung verwendet, wenn nicht – vielleicht gibt es das ja noch da und dort – die anderen Bedingungen für das Niederwild so sind wie damals.

Volker Wollny