Jäger sehen Probleme bei Problemwolf-Jagd

Bisher gibt es von ihm nur eine DNA-Kennung: GW 924m. Immer wieder war der Wolf in den Kreisen Pinneberg und Steinburg aktiv, hat Schafe und andere Nutztiere gerissen – auf einer Fläche von 400 Quadratkilometern. Jetzt entscheidet das Umweltministerium über seinen Abschuss. Dann könnte die Jagd nach dem Tier beginnen. „Wir sprechen von einem Tier auf einer großen Fläche. Das macht es verdammt schwierig, den Wolf tatsächlich auch zu kriegen“, sagt Marcus Börner vom Landesjagdverband. Die Erfolgsaussichten bei Rehen, Wildschweinen und Hirschen seien da deutlich größer. „Da liegen auch mehr Erfahrungen vor“, sagt Börner. Man wisse, wo und wie sich die Tiere bewegen. Bei einem Wolf sei noch vieles unklar.

Gespräche mit Jägern laufen

Dass GW 924m einem Jäger auf einem Hochsitz direkt vor die Flinte läuft, ist eher unwahrscheinlich. Viel erfolgsversprechender sei es, an den eingezäunten Nutztier-Herden zu jagen, sagt Börner. „Oder an frisch gerissenen Tieren, die man liegen lässt. In der Hoffnung, dass der Wolf in der nächsten Nacht zurückkommt.“ Allerdings ändert das nichts daran, dass bisher niemand Erfahrungen mit der Jagd von Wölfen im Land hat. Der Landesjagdverband ist derzeit in Gesprächen vor Ort im Kreis Pinneberg, wer den Auftrag übernehmen könnte. „Einige Jäger haben sich schon gemeldet“, sagt Börner.

Verband fordert Anonymität der Jäger

„Das ist keine ganz einfache Situation. Letztendlich geht es dann auch um den Schutz des Jägers, der das Tier erlegen wird.“ Strafanzeigen oder Shitstorms gegen den oder die Jäger müssten verhindert werden, fordert der Geschäftsführer des Jagdverbandes. „Letztendlich handeln sie im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein.“ Das Land habe bereits Anonymität zugesichert. „Und da hoffen wir dann auch drauf“, sagt Börner.

Welcher Wolf ist der Problemwolf?

Eine weitere Schwierigkeit bei der Jagd: Ist der Wolf vor der Flinte des Jägers auch wirklich GW 924m? Theoretisch müsste vorher ein DNA-Test gemacht werden. Weil das in der Praxis aber nicht umsetzbar ist, hat sich eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe auf ein alternatives Vorgehen verständigt: Demnach könnte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) den zeitlich und örtlich begrenzten Abschuss von Wölfen – auch ohne DNA-Test – genehmigen. „Wir wollen keine ‚unschuldigen‘ Wölfe erlegen“, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). „Wir wissen im Grunde genommen aber, dass in dem abgesteckten Bereich nur dieser eine Wolf ist.“ Falls der Jäger aber tatsächlich einen anderen Wolf schießen sollte als GW 924m, drohen ihm keine rechtlichen Konsequenzen, heißt es vom Ministerium.