Jagd auf bedrohte Tiere als Reise-Erlebnis: Trophäensammler brüsten sich im Netz

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Loewe (Symbolbild)

Etliche Fehlschüsse und unermessliches Leid


 
 
 

Der Leopard wird mit Fleisch angelockt, ganz in der Nähe lauert der Tod. In einem Zelt hockt ein Trophäenjäger mit scharfer Waffe, bereit, das Tier zu erlegen. In Foren brüsten sich (Freizeit-)Großwildjäger mit ihren blutigen Erlebnissen. Und das Bundesamt für Naturschutz? Erteilt reihenweise Einfuhrgenehmigungen für Jagdtrophäen – auch für besonders geschützte oder seltene Tierarten.

Im Internet gibt es Reiseveranstalter für Jagdsafaris, die Homepages sind wie ein Onlineshops aufgebaut, mit dem Leben der Tiere wird gedealt, als wäre es eine Ware. Es gibt genaue Auflistungen der Serviceleistungen, Kosten und positiven Reviews von Jägern vergangener „Safaris“. Auf Fotos posieren sie mit ihren Statussymbolen, Löwen, Geparden, Krokodilen oder Braunbären, die sie mit Gewehren, Pfeil und Bogen oder Armbrust erlegt haben. Unter Großwildjägern besonders begehrt – und entsprechend teuer – sind die sogenannten „Big Five“, also Elefanten, Nashörner, Büffel, Löwen und Leoparden.

„Discount African Hunts“ agiert vor allem in Namibia, Mosambik, Südafrika und Simbabwe, aber auch „International Games“ in Russland, Spanien, Argentinien, Kroatien, Slowenien sind zu haben. 14 Tage Jagd in Mosambik, inklusive Überführung der Elefantentrophäe ins heimische Wohnzimmer, Gebühren und Luxuslodge mit Vollverpflegung kosten dort aktuell mit 4.000 Euro Rabatt insgesamt 32.000 Euro. Für eine Flusspferdjagd müssen Jäger rund 12.000 Euro hinlegen, genauso teuer ist eine 5-tägige Reise nach Südafrika, mit dem Ziel, dort einen weißen Löwe zu töten. Sogar für Kinder ab vier Jahren gibt es inzwischen Angebote.

Neben den Reiseangeboten stehen Kommentare zufriedener Kunden wie: „Wir haben die Jagderfahrung unseres Lebens gemacht und werden mit Sicherheit wiederkommen!“ Oder: „Eine zwölf Meilen lange Verfolgung endete damit, dass ich die sehr agile Löwin aus einer Entfernung von 25 Yards (rund 23 Meter) mit einigen Runden 450 NE erledigt habe.“ 450 Nitro Express sind Gewehrpatronen, die für die Jagd auf gefährliches Wild entwickelt wurde. Dass es hier bei der Jagd auf die Löwin ganz offensichtlich zu etlichen Fehlschüssen gekommen sein muss, scheint den Jäger nicht weiter zu berühren.

Viele der Tiere sterben unter Qualen, weil auch unerfahrene Hobbyjäger ohne Jagdschein drauf losballern dürfen. Jagdreisen seien „mit häufigen Fehlschüssen verbunden. Die angeschossenen Tiere rennen mit blutigen Wunden um ihr Leben, während sich weitere Kugeln durch ihren Körper bohren. Können sie entkommen, erliegen sie teilweise erst nach Tagen ihren Schmerzen“, heißt es auch in einem Blogbeitrag der Tierschutzorganisation Peta. „Auch die Jagd mit Pfeil und Bogen oder einer Armbrust führt im Normalfall zu einem langsamen und schmerzvollen Tod.“

Das sogenannte „Canned Lion Hunting“ (Gatterjagd) in Südafrika ist die grausamste Art der Trophäenjagd. Tausende Löwen werden dort auf Farmen unter widrigsten Bedingungen mit der Hand aufgezogen, speziell für die Jagd gezüchtet – und für Touristen, die die Tierbabys streicheln oder mit Jungtieren spazieren gehen. Die an Menschen gewöhnten, überfütterten und zum Teil sogar medikamentös ruhig gestellten Tiere haben keine Chance zu entkommen und werden Jägern in umzäunten Arealen regelrecht vor das Gewehr getrieben. Viele Tierschutzorganisationen, wie zum Beispiel auch „Vier Pfoten“, fordern seit Jahren ein sofortiges Ende der blutigen Geschäftspraxis. Auch viele Jagdverbände lehnen die Gatterjagd als unethisch ab.

Auch andere Großkatzen scheinen auf diese Weise ausgebeutet zu werden, um Touristen zu unterhalten. So brüstete sich „Discount African Hunts“ damit, dass es auf ihren „Spielfarmen“ in Südafrika die größten Leoparden in ganz Afrika gebe. „Diese Katzen fressen gut und werden groß! Und dies ist Ihre Chance, Ihre Trophäensammlung um eine der fetten Katzen zu bereichern.“

So geht Deutschland mit Jagdtrophäen um

In der Beschreibung unter einem Angebot für eine Löwenjagd heißt es: „Löwen dürfen derzeit nicht in die USA, Australien, Frankreich und die Niederlande importiert werden.“ Tatsächlich haben Frankreich, die USA und Australien 2015 immerhin die Einfuhr von Löwentrophäen verboten, die Niederlande setzten 2016 200 bedrohte Tierarten auf die Importsverbots-Liste.

Und Deutschland? Das Bundesamt für Naturschutz hat zum Beispiel in den Jahren 2017, 2018 und auch 2019 Einfuhrgenehmigungen für Jagdtrophäen erteilt (Anfrage 2018, ab Seite 107; Anfrage 2017; ab Seite 58) – darunter auch für Körperteile besonders geschützter und seltener Tierarten, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen. 2019 hat eine Anfrage der Grünen ergeben, dass Genehmigungen etwa für 19 Afrikanische Elefanten, 32 Leoparden, 13 Löwen, neun Geparden und zwei Breitmaulnashörner erteilt wurden. Außerdem für 31 Flusspferde und zwei Eisbären.

Die Tierschutzorganisation Peta prangert die sinnlose Jagd als „Ausverkauf der Tierwelt“ und „abscheulichen Zeitvertreib reicher, abgestumpfter Menschen, die mehr Geld als Moral besitzen“ an und hat wie auch andere Organisationen die Bundesregierung bereits mehrfach vergeblich aufgefordert, ein striktes Importverbot zu verhängen. Peta zufolge töten jedes Jahr rund 18.000 Großwildjäger aus dem Ausland über 100.000 Wildtiere. Die Jagd dezimiere die Population stärker als etwa Wilderei und der Verlust des Lebensraums.

„Geld der Jäger unterstützt Schutzprogramme“

Die Anbieter solcher Reisen behaupten dagegen, mit den Einnahmen die Bevölkerung und auch Nationalparks zu unterstützen. Wie viel Geld genau aber an welche Einrichtungen und Projekte fließt, wird nicht ersichtlich. Stattdessen suggeriert man den Jägern sogar, den Tieren einen Dienst zu erweisen. „Es ist das Geld der Jäger, das die Schutzprogramme unterstützt, die den Löwen vor der Ausrottung bewahrt“, heißt es etwa bei „Discount African Hunts“.

Peta widerspricht diesen Aussagen deutlich. „Die horrenden Summen, die Hobbyjäger für eine Jagdreise ausgeben, landen nicht bei der armen Bevölkerung oder bei einer Nationalparkverwaltung, sondern fast ausschließlich in den Taschen der Reiseveranstalter und Jagdfarmbesitzer.“ Auch die jeweiligen Regierungen verdienen demnach an den Jagdlizenzen, sonstigen Gebühren und Steuern kräftig mit. Peta bezieht sich auf eine Wirtschaftsanalyse von 2013, laut der nur drei bis fünf Prozent der Einnahmen bei der Bevölkerung ankommen. Zudem trage die Trophäenjagd etwa in Namibia gerade einmal 0,27 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, der Naturtourismus hingegen 4,2 Prozent. Trotzdem geht das Töten weiter. Auch für die Saison 2020/21 sind bereits etliche Reiseangebote online.