Jagd: wilde Hatz oder wichtiger Naturschutz?

Rehrücken, Wildschweinbraten und Hirschgulasch fallen nicht vom Himmel, dafür sterben Tiere. Diejenigen, die die Tiere töten, die Jäger, müssen sich immer wieder Diskussionen stellen. Weil wir eine Gesellschaft sind, die zwar gerne Fleisch isst, es aber nicht gerne sieht, wenn Tiere geschossen werden. Ist die Jagd eine wilde Hatz oder wichtiger Naturschutz?

Warum gehen zivilisierte Menschen ohne Not heute noch auf die Jagd? Um sechs hungrige Mäuler daheim zu stopfen? Hierzulande wohl eher nicht. Wolfgang Kornder, Jäger und Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereins, nimmt kein Blatt vor den Mund:

„Der Höhepunkt der jagdlichen Passion ist das Erlegen eines Tieres. Da brauchen wir nicht drumrum reden. Ansonsten könnte ich mit der Kamera rausgehen, und dann genügt es, wenn ich im Bund Naturschutz bin. Bei der Jagd geht es um diesen Punkt: dass ein Tier getötet wird!“

Wolfgang Kornder

Dass ein Tier getötet wird und auch das Wie, das ist es aber, was die Kritiker der Jagd umtreibt. Sie berufen sich auf Ethik und Tierschutz. Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vor fünf Jahren ist es möglich, dass Privatbesitzer ihre Grundstücke „befrieden“ können, weil sie generell gegen den Abschuss von Rehen und Wildschweinen sind oder Treibjagden für grausam halten. Das heißt, auf diesen Grundstücken darf nicht mehr gejagt werden. Bei der Treibjagd zum Beispiel wird das Wild systematisch aufgescheucht.

Kann Jagd tiergerecht sein?

Die Drückjagd gilt als behutsamer. Bei ihr soll das Wild nur in Bewegung versetzt werden, aber auch immer wieder anhalten. Rehe und Wildschweine laufen dadurch vor die Flinte. Ein Argument für die Drückjagd ist, dass man das Wild nur einmal beunruhigt und es dann wieder länger in Ruhe lässt. Bei der Jagd vom Ansitz aus lauert der Jäger häufig und lange auf heranziehendes Wild. Die Ansitzjagd findet meist ohne Unterstützung durch Hunde oder Treiber statt. Was die Methode angeht, scheint sich die Jägerschaft untereinander indes nicht immer grün zu sein. So hat zum Beispiel Alexander Frank, Jagdpächter in Jesenwang im Landkreis Fürstenfeldbruck, die Stadt München verklagt, weil sie in einem ihrer Reviere eine Drückjagd auf Rehwild durchgeführt hat. Eine Drückjagd in einem so kleinen Revier sei unwaidmännisch. Zudem hatten die Hunde dabei ein Reh über die Reviergrenze gehetzt und ihm noch bei lebendigem Leib ein Bein ausgerissen.

Dass Jagd immer wieder auch an ihre Grenzen stößt, dessen bewusst ist sich auch Wolfgang Kornder, der Vorsitzende des Ökologischen Jagdvereins. Er räumt ein, dass es eben auch passieren kann, dass ein Stück Wild angeschossen wird.

„Das sind Dinge, die auf der Jagd passieren können und die dann oftmals auch sofort verurteilt werden. Und diesen Graubereich, den gibt es und der macht die Jagd immer schwieriger!“

Wolfgang Kornder

Ökologischer Jagdverein: „Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt“

Doch vielerorts wird beklagt, dass nicht genug gejagt wird. Vielmehr päppelten Jäger geradezu das Wild, wird kritisiert, um möglichst kapitale Exemplare zu erlegen und sich mit den entsprechenden Trophäen, also Geweihen zu schmücken. Dabei gibt es gute Gründe, die Abschusszahlen zu erhöhen. In unseren Wäldern hat Wild kaum mehr natürliche Fressfeinde wie Wolf, Luchs oder Bär. Doch Rehe fressen mit Vorliebe die jungen Triebe kleiner Bäume. Gibt es zu viele Rehe, kann kein junger Baum mehr nachwachsen. Dabei wäre das besonders wichtig, und zwar nicht nur Fichten. Die Flachwurzler sind anfällig gegenüber Hitze und Trockenheit. Genau das blüht gerade durch den Klimawandel.

Infos und Linktipps

Stichwort: Befriedung

Wer in Deutschland Land besitzt, muss dulden, dass auf diesem Land Jäger unterwegs sind, wenn es sich nicht gerade um einen Garten handelt. Besitzer müssen auch dulden, dass auf ihren Grundstücken zur Jagdzeit Wild geschossen wird.Eine erfolgreiche Musterklage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ermöglicht es aber seit 2012, die eigenen Grundstücke in Deutschland jagdfrei zu machen. Wer sein Grundstück befriedet haben will, muss dies schriftlich oder zur Niederschrift bei der Unteren Jagdbehörde beantragen, und aus dem Antrag müssen die Gewissensgründe hervorgehen. Grundsätzlich kann ein Antrag auf Befriedung abgelehnt werden. Das aufwändige Verfahren ist zudem nicht billig.

Weitere Informationen

Initiative gegen Zwangsbejagung
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Bayerischer Bauernverband
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Ökologischer Jagdverein Bayern e. V.
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Landesjagdverband Bayern e. V.
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Jagdgenossenschaft – Betreuung und Rechtsaufsicht
Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
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