Kreis Gütersloh: Warum die Jagd auf Rehe in diesem Jahr früher beginnt

Eine zunächst einjährige Lösung soll die Neuanpflanzungen vor zu starkem Verbiss schützen.

Halle/Kreis Gütersloh. Die Bockjagd auf Rehwild geht in diesem Jahr in einigen Waldgebieten in NRW, auch im Kreis Gütersloh, einen Monat früher los. Bereits ab 1. April dürfen in Waldstrichen mit großflächigen Ersatzpflanzungen Rehböcke und weibliche, nicht tragende, Jungtiere erlegt werden. Üblicherweise ist die Jagd erst ab 1. Mai offen. Diese Maßnahme soll in der Knospenzeit der Jungbäume den Verbiss und das Verfegen deutlich reduzieren.

Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit der Borkenkäferplage der vergangenen zwei Jahre. Viele Fichtenflächen im Kreis und speziell in den Kammlagen des Teutoburger Waldes sind nach dem Befall komplett geräumt und mit Mischwald neu bepflanzt worden. Eine Köstlichkeit für das Rehwild, wenn die aus Baumschulen stammenden Pflanzen im April knospen und die Rinde Wasser zieht. Hinzu kommen die Rehböcke, die gerne an Jungholz die Hautreste ihrer neuen Gehörne abfegen und dabei die Bäume so stark schädigen, dass sie eingehen. Dieses Problem besteht aber nicht nur auf den total geräumten Stellen, sondern auch da, wo Jungbäume in lichten Altbeständen unterpflanzt werden, um den Wald vor dem wuchernden Farnkraut zu schützen.

Die Jagd ist räumlich beschränkt

Die Jäger werden in einem Schreiben der Kreisjagdbehörde darauf hingewiesen, dass die Jagd räumlich beschränkt ist auf die Wiederbewaldungsflächen und deren unmittelbares Umfeld. Es werde damit keine Pflicht zum Jagen ausgesprochen, sondern ein Angebot gemacht, „den Waldbauern bei ihrer Misere, bei Wiederbewaldung durch Naturverjüngung oder Aufforstung behilflich zu sein“, schreibt Sachbearbeiterin Marissa Gabor an die Revierinhaber.

Wolfgang Schwentker, verantwortlicher Leiter der Abteilung Jagd, und Ralf Reckmeyer als Vorsitzender der Kreisjägerschaft geben den Jägern mit auf den Weg, diese Maßnahme in Absprache mit den Nachbarrevieren durchzuziehen. In ihrer Erklärung heißt es: „Im Focus dieser Bewertung sollte eindeutig der Schutz der Wiederbewaldung stehen, nicht ein Trophäeninteresse.“ Ausdrücklich solle damit nicht verbunden sein, dass die Jagdzeit auf Rehwild weiter verlängert werde.

„Bewusst ist auch die Maßnahme auf zunächst dieses Jahr begrenzt worden“, sagt Schwentker. In Zusammenarbeit mit der Wildforschungsstelle soll der Nutzen untersucht werden. Deshalb müssten die Abschüsse zeitnah elektronisch der Unteren Jagdbehörde beim Kreis gemeldet werden, um eine Aussage zum Erfolg treffen zu können.