NABU: Jagd auf Vögel verbieten

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Eine Bekassine in der Horloffaue bei Berstadt. Hier sollte die Jagd nicht mehr erlaubt sein, sagt der Naturschutzbund und verweist auf eine drohende Klage der EU-Kommission. ARCHIVFOTO

 
 
 

Nach Auffassung der EU-Kommission verstößt Deutschland seit Jahren gegen europäisches Naturschutzrecht. Die Brüsseler Behörde droht mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. Der NABU Hessen hat das Land daher aufgefordert, Verbesserungen beim Schutz der Gebiete zu erreichen – und nennt als konkretes Beispiel das EU-Vogelschutzgebiet Wetterau.

Es geht um die Umsetzung der fast 30 Jahre alten Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie zum Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen. Kern ist die Ausweisung von Schutzgebieten in den EU-Staaten. Dazu gehören sogenannte Erhaltungsziele, um den Bestand von Arten zu schützen oder wiederherzustellen. „Die Frist für die Vollendung dieser Maßnahmen für alle Gebiete in Deutschland ist in einigen Fällen vor mehr als zehn Jahren abgelaufen“, klagt die Kommission. Doch habe Deutschland keine ausreichenden Erhaltungsziele für seine 4606 Schutzgebiete festgelegt. Bereits 2015 und 2019 hakte die Kommission nach eigenen Angaben nach. Sie kritisiert zudem Verstöße gegen Veröffentlichungspflichten. Reagiere Deutschland nicht, könne die Kommission vor den EuGH ziehen.

„Die EU-Kommission zieht damit die Daumenschrauben an“, fasst Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen, zusammen. Die Naturschutzgebiete, die immerhin 21 Prozent der hessischen Landesfläche einnähmen, müssten selbst mehr geschützt werden. Die Erhaltungsziele seien zu unkonkret, nicht gebietsspezifisch und nicht quantifiziert. Wo keine konkreten Ziele in Zahlen festgelegt seien, könne auch kein Erfolg oder Misserfolg festgestellt werden. Als Konsequenz fordert der NABU die Neuformulierung der Erhaltungsziele in den Schutzgebietsverordnungen. Wo die zu schützenden Arten gefährdet seien, müssten zudem Verbote eingeführt werden. Im EU-Vogelschutzgebiet Wetterau etwa müsse in den darin enthaltenen sieben Naturschutzgebieten (Mairied von Rodheim, Gänsweid von Steinheim, An der Kühweide bei Steinheim, Im tiefen Ried bei Steinheim, Mittlere Horloffaue und Kist von Berstadt) die Jagd auf Vögel verboten werden. Zusätzlich müsse die Jagd auf Schalenwild auf zwei Monate beschränkt werden. Das Schutzgebiet sei der bedeutendste Kranichrastplatz in Hessen. Auch überwinterten hier Hunderte nordische Gänse und Tausende Graugänse. „Durch die Jagd kommt es aber immer wieder zu enormen und nicht tolerierbaren Störungen der rastenden und überwinternden Vögel“, sagt Eppler. Deutschland sei durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen verpflichtet. In den FFH-Gebieten hätte demnach ein günstiger Erhaltungszustand der vorhandenen Arten und Lebensräume bewahrt oder wiederhergestellt werden müssen, so der NABU.