Naturschutzgesetz: Umweltministerin will Jagd auf Wolf ermöglichen

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will den Abschuss von Wölfen erleichtern. Sie will damit Schafhaltern helfen.

Ihr Ziel sei eine entsprechende Änderung des Naturschutzgesetzes, sagte Schulze der Bild am Sonntag. „Wenn Wölfe mehrfach Schutzzäune überwinden oder Menschen zu nahe kommen, muss man sie auch abschießen dürfen. Das will ich mit einer ‘Lex Wolf’ klarstellen.“ Ein Wolf soll demnach künftig bereits dann geschossen werden dürfen, wenn er „ernste landwirtschaftliche Schäden“ verursacht. Bislang sei von „erheblichem Schaden“ die Rede, der von den Gerichten erst bei einer Bedrohung der Existenz gesehen wurde, heißt es in dem Bericht.

„Damit schaffe ich für die Schafhalter Rechtsklarheit und mache deutlich, dass auch Hobbyschäfer entschädigt werden können“, erklärte Schulze. Die Klarstellung solle so schnell wie möglich umgesetzt werden. „Es fehlt nur noch die Zustimmung der CDU“, so Schulze.

Der Wolf unterliegt internationalen Artenschutzbestimmungen sowie als streng geschützte Art den Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes. Gesunde Tiere dürfen deshalb weder getötet noch verletzt werden, bei Missachtung drohen hohe Geld- oder sogar Haftstrafen. Nur Gefahren- oder Notstandssituation rechtfertigen unter Umständen eine Tötung. Die Umweltminister in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gaben kürzlich je einen Wolf zum Abschuss frei.

Der Schadensbilanz der Dokumentationsstelle des Bundes (DBBW) zufolge lag die Zahl der Risse 2017 mit 472 dokumentierten Fällen um fast 66 Prozent höher als im Vorjahr. Die Zahl der getöteten, verletzten oder vermissten Tiere – meist Schafe – wurde auf 1667 beziffert, fast 55 Prozent mehr als 2016. Im Monitoringjahr 2017/18 wurden den DBBW-Daten zufolge 73 Rudel, 30 Wolfspaare und einige Einzeltiere in Deutschland nachgewiesen. Die meisten Wölfe leben demnach derzeit in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

Die „Lex Wolf“ sehe zudem ein Fütterungsverbot für Wölfe vor. Schulze: „Das geschieht momentan durch Menschen, die die Tiere interessant finden. So lockt man Wölfe aber in die Nähe von Wohngebieten. Und da gehören sie nicht hin.“

Die Grünen-Bundestagsfraktion äußerte Unverständnis. „Ausgerechnet am Tag des Artenschutzes verkündet Umweltministerin Schulze, dass sie das Töten einer geschützten Art erleichtern will“, sagt die Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion, Steffi Lemke, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das sei eine „Breitseite gegen den Naturschutz“, denn damit treffe Schulze nicht nur den Wolf, sondern auch andere geschützte Arten. „Ihrer ‘Lex Wolf’ wird die Forderung nach einer ‘Lex Biber’ und ‘Lex Fischotter’ folgen“, sagte Lemke.

Die Grünen verweisen darauf, dass das Töten von Wölfen bereits heute möglich sei. „Die für das finanzielle Überleben der Schafhaltung in Deutschland notwendige Weidetierprämie verhindern CDU/CSU und SPD dagegen bis heute“, kritisierte Lemke: „An der Existenzkrise der Schafhaltung wird sich deshalb auch durch Frau Schulzes Plan nichts ändern.“