Macht Gülle Wildtiere krank? – Frag den Tierarzt

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Durch gemeinsame Nutzung von Äsungs-, Weide- und Futterflächen kann es zu gesundheitlichen Wechselwirkungen zwischen Wildtieren und landwirtschaftlichen Nutztieren kommen. Krankheitsübertragungen erfolgen seltener durch direkten Kontakt, sondern häufiger durch Losung/ Kot (z.B. Parasitosen, Paratuberkulose), Vektoren wie Fliegen (z.B. Gamsblindheit) oder die gemeinsame Annahme von Salzlecken (z.B. Moderhinke). Ein Restrisiko resultiert auch aus der Düngung mit organischem Dünger, wie Gülle.

Gülle birgt ein Infektionsrisiko etwa hinsichtlich Paratuberkulose, Tuberkulose, Salmonellose, EHEC- und Leberegelinfektionen oder Clostridiosen , wie Botulismus. Paratuberkulose ist z. B. eine ansteckende, chronische Darmerkrankung besonders der Wiederkäuer. Die Infektion der Tiere erfolgt vor allem durch orale Aufnahme der Erreger über Äsung/Futter, Trinkwasser oder Milch. Von klinisch erkrankten Tieren werden Millionen Paratuberkulose-Erreger pro Gramm Kot/ Losung ausgeschieden, welche in der Umwelt bis zu einem Jahr überleben.

In einer Untersuchung von Umweltkotproben von Rindern (Kotrinnen) sowie von Proben aus Güllegruben und Misthaufen konnte der Erreger der Paratuberkulose nachgewiesen werden. Wegen der hohen Rate an positiven Proben aus Güllegruben und Misthaufen wird ein hygienisches Risiko gesehen, was die Beweidung von frisch gedüngten Flächen betrifft (Khol et al., 2009).

© Dr. Armin Deutz

Die Zahl der in der Gülle nachgewiesenen Krankheitserreger ist in der Regel aufgrund der antagonistischen Wirkungen der Gülle selbst gering. Vorhandene Salmonellen werden innerhalb eines Monats zu über 90 Prozent eliminiert. Die Reduktion von Krankheitserregern in der Gülle liegt im hohen pH-Wert der Gülle sowie in der Bildung von Fettsäuren durch die natürliche Bakterienflora der Gülle begründet. Daraus ergibt sich, dass während der Lagerung eine weitgehende Reduktion des Erregerbesatzes stattfindet, sofern in der Frischgülle überhaupt infektiöse Erreger vorhanden waren.

Eine weitere hygienisierende Wirkung hat nach dem Ausbringen der Gülle die Sonneneinstrahlung. So überleben coliforme Bakterien bei Sonneneinstrahlung im Sommer auf grünen Pflanzen nur zehn Stunden, bei kalter und feuchter Witterung hingegen bis zu 28 Stunden. Auch Salmonellen überleben bei der Ausbringung von nicht hygienisiertem Klärschlamm auf Gras nur 15 Tage. Selbst die Höhe des Pflanzenaufwuchses hat Einfluss auf das Überleben von Bakterien. Je höher der Aufwuchs, umso länger überleben Keime in unteren Schichten. Weitere Faktoren, die das Überleben von Krankheitserregern bestimmen, sind die Ausgangskeimzahl, Düngermenge, Bodentemperatur, pH-Wert sowie Humus-, Sauerstoff- und Wassergehalt des Bodens. Grundsätzlich aktiviert eine bedarfsgerechte Gülledüngung die biologische Bodenaktivität und damit auch die Vermehrung der gegenüber Krankheitserregern antagonistisch wirkenden Mikroflora im Boden.


Source: Jagd Erleben

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