Randalierer behindern Jagd auf Wildschweine

In Gräfrath wurden zwei Jagdkanzeln und ein Hochsitz zerstört. Schwarzwildjagd ist hoheitliche Aufgabe.

– Jäger müssen Schwarzwildbestand so gering wie möglich halten.
– Gerade Wildschweine verursachen hohe Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen.
– Hochsitze und Jagdkanzeln sind für die Jäger enorm wichtig, weil sie oft ganze Nächte dort verbringen müssen.

Solingen. Der Gräfrather Jagdpächter Friedhelm Kramer ist verärgert. Unbekannte haben in seinem Revier einen Hochsitz und zwei Jagdkanzeln so zerstört, dass die Einrichtungen zumindest vorübergehend nicht mehr zu gebrauchen sind. Das bedeutet nicht nur einen Schaden für den Jagdpächter. In den betreffenden Teilen seines Reviers kann er darum vorübergehend nicht mehr Wildschweine bejagen. Dabei richtet das Schwarzwild dort besonders häufig Schäden auf Feldern an.

Nicht nur, weil die Tiere oft den Boden umwühlen oder die Pflanzen auf Maisfeldern umknicken, ist die Jagd unter anderem auf Schwarzwild wichtig. Aktuell gilt es nach Kramers Angaben auch, eine größere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Dies habe gerade in Solinger Wäldern eine große Bedeutung, weil es hier ein großes Aufkommen an Wildschweinen gebe. Darum seien die Jagdpächter dazu verpflichtet, den Schwarzwildbestand so niedrig wie möglich zu halten. „Wir erfüllen eine hoheitliche Aufgabe“, betont auch der Vorsitzende der Solinger Kreisjägerschaft, Heinrich Apfelstedt.

Solingen: Die Kosten bleiben immer beim Jagdpächter hängen

Wildschweine seien nachtaktiv, erläutert Friedhelm Kramer. Nicht zuletzt deshalb seien die Jäger auf intakte Kanzeln und Hochsitze angewiesen. Denn dort müssten sie nicht selten ganze Nächte verbringen. Ganz werde die Bejagung der Tiere in seinem Revier freilich nicht zum Erliegen kommen. Kramer verfügt nach eigenen Angaben über rund 50 Ansitze.

Dennoch sei der Vandalismus ärgerlich. Die Schäden zu reparieren kostet nicht nur Geld – Kramer geht davon aus, dass die Reparatur ihn 1500 Euro kostet. Auch muss er dies in seiner Freizeit mit viel Eigenleistung erledigen. „Das bleibt immer am Jagdpächter hängen“, ergänzt Apfelstedt.

Die unbekannten Täter haben laut Kramer eine seiner Kanzeln verwüstet und umgeworfen. In einer anderen haben sie Einbauten herausgerissen, die Scheiben eingeschlagen und ein Feuer gelegt. Ein Hochsitz wurde komplett abgesägt. Dies alles geschah in der Nähe der Hofschaften Steinbeck, Schieten und Flockertsholz.

In den vergangenen Tagen hat der Jagdpächter nach eigenen Angaben an einer Kanzel vier Jugendliche gesehen. Als er diese ansprechen wollte, seien sie weggelaufen, ohne dass er sie erkannt hat. Kramer geht davon aus, dass das Quartett vorhatte, eine weitere Kanzel zu zerstören. Bisher ist über die Täter nichts Näheres bekannt. Bei der Polizei hat er Anzeige erstattet. Kramer berichtet, dass er normalerweise keine Probleme mit „Jagdhassern“ habe, wie sie an anderen Orten hin und wieder durch Zerstörungen auffallen.

Von ähnlichen Fällen mit solchem Ausmaß in anderen Revieren ist Apfelstedt derzeit nichts bekannt. Kleinere Beschädigungen habe es aber in der jüngeren Vergangenheit immer wieder gegeben.

Solingen: Für die Schäden auf Feldern können Landwirte Schadenersatz fordern

Kramer betont, dass das Schwarzwild auf landwirtschaftlichen Flächen beträchtliche Schäden anrichten könne. Die Tiere wühlen zum Beispiel die Erde so auf, dass an diesen Stellen nichts mehr wachse. Auf der Suche nach eiweißhaltiger Nahrung spüren sie dort Larven im Boden nach. Im Sommer wälzen Wildschweine immer wieder Maisfelder platt, um die dann am Boden liegenden Maiskolben zu fressen. Die Schäden können laut Kramer so beträchtlich sein, dass die Ernte auf den Flächen ausfalle.

Das kann für den Jagdpächter teuer werden. Oft gelinge es zwar, mit den Landwirten eine Einigung zu treffen. Im schlimmsten Fall müsse er für die Schäden, die das Schwarzwild – auch in Junganpflanzungen im Wald – verursache, aber aufkommen. Kramer: „Dafür gibt es keine Versicherung.“

JAGDSAISON

SCHWARZWILD Zu den wenigen Wildarten, die im Moment bejagt werden dürfen, zählt das Schwarzwild (Wildschweine). Diese Tiere dürfen nach der derzeitigen Regelung bis Februar 2023 ganzjährig geschossen werden.

SCHONZEIT Für die meisten anderen Tiere gilt eine Schonzeit. Die Jagd auf sie ist – je nach Tierart – zumeist von Anfang oder Ende Februar bis Ende Juli oder Ende August verboten.