Saujagd auf dem Härtsfeld

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Wildschweine gibt es genug auf dem Härtsfeld, dem nordöstlichsten Teil der Schwäbischen Alb (Bild: Volker Wollny)
Wildschweine gibt es genug auf dem Härtsfeld, dem nordöstlichsten Teil der Schwäbischen Alb (Bild: Volker Wollny)

 
 
 

Horch! Da tönt das Jagdhorn: „Das Ganze – Langsam treiben!“ klingt es durch den spätherbstlichen Wald. Wer ein Horn hat und darauf blasen kann, gibt das Signal weiter. Die unmusikalischen, die nur eine einfache Jagdtröte haben, lassen sie einmal quäken und die ganz geizigen Schwaben, welche selbst die Ausgabe von ein paar Mark fünfzig für ein solches einfaches Lärmgerät scheuten, brüllen „Huuuup!“ um den Beginn des Treibens weiter zu melden. Alle haben sie schon darauf gewartet, lange dauert es manchmal wenn die Schützen um ein großes Treiben herum angestellt werden müssen. Mancher kann es kaum noch erwarten, bis endlich das vertraute Hornsignal ertönt. Aber jetzt geht es los – und bestimmt stecken Sauen in diesem Bogen, hier auf dem hinteren Härtsfeld gibt es davon bald mehr als Bäume, kaum besteht die Gefahr, dass man einmal ein grünes Treiben erwischt.

Wildschweine gibt es genug auf dem Härtsfeld, dem nordöstlichsten Teil der Schwäbischen Alb (Bild: Volker Wollny)
Wildschweine gibt es genug auf dem Härtsfeld, dem nordöstlichsten Teil der Schwäbischen Alb (Bild: Volker Wollny)

Der Jagdherr hatte festgestellt, dass schon wieder die Sauen in den Wiesen gebrochen und Schaden angerichtet hatten. Kurz entschlossen beraumte er eine zünftige Saujagd an, telefonierte mit den Jagdfreunden, den bewährten Saujägern, den Hundeführern und den Sonntagsjägern. Er vergaß auch nicht den Leiter der Jungjägerausbildung zu verständigen, dass er die Absolventen des letzten Kurses als Schützen und die Teilnehmer des aktuellen Kurses als Treiber einladen solle.

Aus allen Himmelsrichtungen strömten sie zusammen, vornehme Herrenjäger im feinen Zwirn von Frankonia, die edle Bockbüchsflinte mit kostbarer Gravur und feinen Schaftverschneidungen lässig umgehängt, auf dem markanten Haupte einen noblen Plesshut mit Gamsbart, grobe Bauern vom hinteren Härtsfeld mit goldenen Herzen, uralten Drillingen und verwitterten, nichtsdestotrotz jedoch erstklassig schießenden Filzhüten, junge Pinsel mit gebraucht gekauften Repetierern und Tirolerhut, alte Knacker mit fast genauso alten Schießeisen, die womöglich um die Ecke schießen können und auch ein paar Flintenweiber oder – wie man die weiblichen Jünger des Heiligen Hubert auch respektvoller bezeichnet – Amazonen. Manche der Waidfrauen mögen aus gesellschaftlichen Gründen auf die Jagd gehen oder weil ihr Ehegemahl ein Grünrock ist, bei vielen aber schlägt heutzutage ein echtes Jägerherz in der oftmals wohlgeformten Brust.

Nicht zu vergessen die Hundeführer und Treiber: Eine rote Warnweste soll sie davor bewahren, versehentlich erlegt – und dann in der Hitze des Gefechtes vielleicht auch noch aufgebrochen, zur Strecke gelegt und totverblasen zu werden. Sieht man sich manche der Gestalten mit furchterregenden Schießprügeln und riesigen Messern im Gürtel an, erscheint solches noch nicht einmal allzu abwegig.

Rang und Stand zählen kaum mehr auf der Jagd, sie ist volkstümlich geworden. Die meisten duzen sich nach Bauernart einfach, auch wenn sie sich das erste Mal begegnen, denn alle vereint die eine Leidenschaft. Keiner wird schief angesehen, weil er „nur“ Arbeiter ist; dass die Jagd ein Vergnügen der Bonzen ist, ist heute nur mehr eine Legende, die von moralinsauren Jagdgegnern und Tierrechtlern unter unwissenden Menschen aber immer noch fleißig verbreitet wird.

Und die Hunde: Jagd ohne Hund ist sowieso Schund – und das gilt auch für das Waidwerk auf das Schwarze Schwein. Mancher der Jäger hat seinen Wufftel dabei, allerhand verschiedene Rassen sind zu sehen: Der Deutsch Kurzhaar mit dem grimmigen Schnauzbart, dort der elegant aussehende, aber mannscharfe Weimaraner, hier ein eleganter, blutvoller Gordon Setter, da ein Foxl, je nach Geschmack der Besitzer und ihrem Bedarf im heimischen Revier.

Die wichtigsten sind aber die Deutschen Jagdterrier, böswillig auch oft als „Gebiss ohne Gehirn“ bezeichnet, mutig bis zur Tollkühnheit, wildscharf bis fast zum Blutdurst – der ideale Hund für die Jagd auf wehrhaftes Wild. Sie sehen aus wie Drahtbürsten und sie benehmen sich so. Keine Angst kennen sie, hängen sich an hauende Schweine, werden abgeschlagen, greifen wieder an. Schon wenn die Jagdhörner die Begrüßung blasen am Morgen des Jagdtages, wissen sie was jetzt kommt: In den höchsten Tönen läuten sie ihre Begeisterung heraus und ihre wilde Wut auf ihren Erzfeind, das Schwarze Schwein.

Kaum stehen ihnen die Teckel nach: Klein aber gemein könnte man sagen, liebte man sie nicht so, diese kleinen Tausendsassas – intelligent, selbstbewusst und mutig klingt nicht nur schöner sondern trifft den Sachverhalt auch besser. Werden sie vom Schwein geschlagen, werden sie – wie die Terrier auch – meist wegschleudert, weil sie leicht sind, und nicht, wie größere Hunde aufgeschlitzt. Außerdem ist der Teckel ein handlicher kleiner Hund, den man im Rucksack mit auf den Hochsitz nehmen kann und für den Raum in der kleinsten Hütte und im kleinsten Automobil ist. Auch bei der Nachsuche glänzt er und apportiert willig alles Wild, wenn er es nur gerade noch tragen kann. So braucht es nicht Wunder zu nehmen, dass er einer der beliebtesten Jagdhunde ist, zumindest bei Leuten, die mit seinem eigensinnigen Wesen und seinem überaus großen Selbstbewusstsein umzugehen verstehen, kurzum eben Dackelverstand besitzen. Ein schwäbisches Gericht soll einmal entschieden haben, dass das schwäbische Schimpfwort „Halbdackel“ zwar ein Beleidigung sei, es aber keinesfalls an die Ehre rühre, so man als „Dackel“ bezeichnet wird.

Alle Hunde tragen Sicherheitshalsungen in leuchtenden Rot, einfache Kunststoffmanschetten mit Klettverschluss, die den Hund kenntlich machen, damit er nicht versehentlich erschossen wird. Darauf schreibt man die Telefonnummer des Besitzers, für den Fall, dass der Hund sich verjagt und irgend jemandem zuläuft. Der Klettverschluss sorgt dafür, dass der Träger sich nicht an der Halsung erwürgt wenn er damit irgendwo hängenbleibt. Aus diesem Grunde wird ihm auch die normale Halsung zusammen mit der Leine abgenommen, wenn man ihn schnallt.

Die alten Sauen, die im rauhen Wind des Härtsfeldes ergrauten, die Keiler und Bachen in den wettergegerbten Schwarten, die bereits einmal oder gar öfter aus dem Treiben lebend entkamen, die vielleicht schon einer der grimmigen Terrier in den Hamer zwickte, die womöglich gar schon das heiße Blei schrammte, wissen dass es wieder einmal das Leben gilt, als sie die Hörner vernehmen. Wen wird es heute treffen, wer wird am Abend auf der Strecke liegen? Das Jagdhorn schmettert unbarmherzig, die Treiberwehr rückt vor. „Hussa! Hussa!“ klingt es, die Stöcke schlagen gegen Bäume und Büsche damit das Wild auf die Läufe kommt.

Auf die Treiber kommt es an, bei einer solchen Jagd. Von den Schützen ist ausser Treffsicherheit auf bewegte Ziele nur zu verlangen, dass sie umsichtig handeln, wissen wann sie schießen dürfen und wann nicht und sich nicht vom Jagdfieber zu gewagten Schüssen hinreißen lassen – von der Jagd selbst brauchen sie eigentlich kaum etwas zu verstehen. Am Treiber jedoch hängt der Erfolg der Jagd. Er darf sich nicht scheuen, auch durch bürstendicke und obendrein womöglich noch klatschnasse oder tief verschneite Dickungen zu brechen, er muss wissen, wo das Wild steckt und es heraustreiben, den Schützen vor die Büchse.

Gute Treiber sind seltener geworden als vierblättrige Kleeblätter: Früher gab es welche, die mehr von der Jagd, von Wald und Wild verstanden als so mancher Jäger. Heute sind da keine gesellschaftlichen Schranken mehr, die einfache Leute davon abhalten, selbst den grünen Rock anzuziehen. Wer daher die Passion in sich verspürt, wird sich nicht damit begnügen nur als Treiber teilzunehmen, sondern selbst einen Jagdschein erwerben. Die Passion, der dringende Wunsch Jäger zu werden, ist heute wohl zur wichtigsten Voraussetzung geworden: Dieses Drängen im Herzen befähigt auch den lange der Schulbank entwöhnten sich noch einmal auf den Hosenboden zu setzen und den umfangreichen Stoff zu büffeln, den man beherrschen muss um die Jägerprüfung zu bestehen.

Auch an Jagdgelegenheit mangelt es bei uns in Schwäbisch Sibirien nicht ernsthaft: Die Sauen haben überhand genommen und zwicken schmerzhaft in die Geldbeutel der Jagdherren, die den von ihnen angerichteten Schaden bezahlen müssen. Da ist so mancher froh, wenn er treue Jagdknechte hat, die fleißig „naushockat“, wenn die Sauen die Felder bedrohen und die zu den Treibjagden kommen, die er veranstaltet. Ist also der freilich nicht billige Kurs erst einmal absolviert und die wichtigste Ausrüstung angeschafft, wird bei vielen das teuerste an einem Jagdtag der Sprit zum Hinfahren sein oder der Verzehr im Wirtshaus nach vollbrachtem Waidwerk. Nicht ganz billig ist es freilich, sich die nötigen Schießfertigkeiten durch Üben auf dem Schießstand zu erhalten. Für einen Schießtag geht schon einmal ein Hunderter drauf, aber wie schnell ist man den auch auf dem Rummel los oder in der Disco? So wird der, der einen guten Treiber abgäbe schnell selbst zum Jäger und die versierten Treiber vom alten Schlag sind bitter rar geworden.

Verblasen der Strecke nach einer großen Staatsjagd (Bild: Volker Wollny)
Verblasen der Strecke nach einer großen Staatsjagd (Bild: Volker Wollny)

„Hussa! Hussa!“ Jetzt werden die Hunde geschnallt. Sie fangen an zu suchen – da, einer gibt Spurlaut. Die Terriermeuten der spezialisierten Sauhundeführer haben schon vor Passion wie die Irren an ihren Leinen gerissen. Jetzt sind sie losgelassen und fahren in jede Dickung, untersuchen die Wurzelteller im Sturm gestürzter Fichten, suchen unter den überhängenden Zweigen einzeln stehender Fichten. Wenn er eine Rotte im Kessel gefunden hat, soll der firme Sauhund so dazwischen, gehen, dass er die Rotte sprengt, die Sauen also nach allen Richtungen auseinander spritzen und nicht gemeinsam fliehen. So kommen sie an mehreren Stellen verschiedenen Schützen, so dass möglichst viele von ihnen beschossen werden können.

Nicht immer funktioniert das aber so richtig schön lehrbuchmäßig: Da überfällt schon eine komplette Rotte Überläufer den Wirtschaftsweg an dem die Schützen angestellt sind. Der zu nächst stehende Schütze fährt auf und geht in Anschlag, zielt, fährt mit – Wumm! Einer der Überläufer überschlägt sich und bleibt liegen. Die anderen nehmen den Wald auf der anderen Seite des Weges an und sind so schnell verschwunden wie sie aufgetaucht sind. Für diesmal sind sie noch einmal mit dem Leben davongekommen.

Der Schweiß des gebliebenen Überläufers sickert auf den hellen Kalkweg. Jetzt stürzen sich die Terrier und Teckel auf ihn, beißen mit scharfen Zähnen in seine Schwarte und zerren zornig. Der Schütze geht zu seiner Beute, kniet bei ihr nieder, kann sein Waidmannsheil noch kaum fassen: „Wer hat eine Kamera dabei?“ Ein Jungjäger kramt im Rucksack nach seiner Spiegelreflex und schießt ein paar Aufnahmen von dem lachenden Gesicht unter dem verwitterten Filzhut mit dem Schwarzen Ungetüm auf dem hellen Weg.

Ein respektabler Bursche ist es, eine Bache, die aufgebrochen bereits gut und gerne ihre 80 bis 100 Pfund haben mag. Aber, so ergibt die Untersuchung des Gebisses später, eindeutig noch ein Überläufer: Seine Zähne verraten, dass er noch nicht zwei Jahre alt ist, denn der Wechsel von den Milchzähnen zu den bleibenden ist noch nicht abgeschlossen. Bei den guten Lebensbedingungen die das Schwarzwild in den Wäldern und Maisäckern unserer Heimat hat, vermehrt es sich nicht nur wie die Karnickel, sondern bringt es auch schon früh zu ansehnlichen Wildbretgewichten.

Unterdessen knallt es auch an anderen Stellen im Wald. Offensichtlich war es nicht nur diese Rotte, die durch das Hussa, das Schlagen mit den Stöcken und das Brechen der Treiber durch Unterholz und Dickungen auf die Läufe gebracht worden ist. Wer wohl dabei Waidmannsheil hatte? Wer mal wieder eine Fahrkarte geschossen hat?

Nach einer kurzen Totenwacht dreht der glückliche Schütze seine Beute auf den Rücken um sie aufzubrechen. Das Waidblatt blitzt und fährt in die Schwarte Ehrensache ist´s dass man selbst aufbricht, was man geschossen hat. Dafür gibt es als Jägerrecht dann auch den Aufbruch. Morgen Mittag wird sich der wackere Schütze von seinem Weib die Leber zubereiten lassen, mit Zwiebeln – oder er macht ein Essen für Freunde mit diesem und noch dem einen oder anderen Aufbruch, sauer gekocht, dazu gibt´s im schwäbischen Jägerhaushalt natürlich selbstgeschabte Spätzle. Vielleicht kauft er das Stück auch dem Jagdherrn ab, wenn daheim noch Platz ist in der „G’friere“, wie man im Schwäbischen zu Tiefkühltruhe oder Gefrierschrank sagt. Bald ist Neujahr, Gelegenheit um bei Verwandten Ehre einzulegen mit einem leckeren Braten vom selbst erlegten wilden Schwein, mit Preißelbeerbirne, Semmelknödeln oder Spätzle und einem leckeren „Salätle“.

Da kommt auch schon der Wildwagen vorbei, ein Pritschenanhänger, geschmückt mit dunkelgrünen Fichtenbrüchen, hinter einem schweren japanischen Allrader. Rauhe Fäuste packen die Wutz und hieven sie auf das Bett aus frischen Fichtenbrüchen. Dort liegen schon ein paar Kollegen, also haben auch die anderen nicht nur Löcher in die frische Herbstluft geschossen!

Der Trieb ist vorbei, der Lorenz schaut gerade mal ein Wenig hinter den grauen Wolken hervor und taucht die Szene in mildes Herbstlicht. Gemächlich schlendert man zum nächsten Trieb. Wurstbrote werden aus Rucksäcken gezogen, da und dort kreist ein Flachmann. Wenn es nicht in Sauferei ausartet, ist gegen ein Schlückchen Zielwasser als Herzstärkung beim anstrengenden Jagdhandwerk auch nichts einzuwenden. Und wirklich: Kaum einer übertreibt es, wenn auch nicht immer jagdliche Sicherheitsgründe den Ausschlag geben, sondern das Wissen, dass man mit dem Auto da ist und ein Führerscheinentzug nicht nur bitter wehe tut, sonder eines der drei ekelhaftesten Dinge auf der Welt ist, die da sind: Weggenommene Führerscheine, kaputte Autos und besoffene Weiber.

Der nächste Trieb wird angegangen, wieder wird angestellt, getrieben und geschossen. Noch ein weiterer wird durchgeführt solange das Büchsenlicht des sich rasch neigenden Herbsttages reicht, entscheidet der Jagdherr. Dann treffen sich alle zum Verblasen der Strecke.

Reich ist sie ausgefallen – über zwanzig Stück Schwarzwild liegen und zwei oder drei werden noch nachgesucht. Der Jagdherr überlegt sich sicherlich, dass ihm das Wild, dass hier auf den frischen Fichtenbrüchen liegt, nicht nur eine stattliche Anzahl freundlich knisternder Hunderter aus dem Wildbretverkauf in die Kasse bringen wird, sondern ihm auch ein erkleckliches Sümmchen an Wildschaden erspart. Ein alter Jäger sagte einmal zu mir: „Eine Sau ist wie eine Wette – schießt du sie, bekommst du dreihundert Mark für das Wildbret, lässt du sie am Leben, macht sie dir dreihundert Mark Wildschaden.“ So kann der Jagdherr zufrieden sein mit dem Ergebnis dieses Jagdtages. Das ist gut so, denn ein zufriedener Jagdherr wird auch wieder einladen.

Helle Gesichter auch bei den Jägern, Stolz blitzt in den Augen derer, die Waidmannsheil hatten und jetzt einen Schützenbruch überreicht bekommen. Aber auch die, die heute Schneider geblieben sind, freuen sich, war es doch ein herrlicher Tag in der herbstlichen Natur. Jetzt sind sie erschöpft und zufrieden, wie man nur zufrieden sein kann, wenn man von anstrengendem aber erfreulichem Tun erschöpft ist.

„Sau tot!“, „Halali“, „Jagd vorbei“ und „Auf Wiedersehen“ klingen durch die nun rasch herabsinkende Dämmerung. Dazu geben die Hunde Laut, wie es eben richtige Jagdhunde tun, wenn sie die Klänge des Jagdhornes vernehmen. Kein harmonischer Gesang, aber einer, der jedem echten Waidmann zu Herzen geht. Auch der eine oder andere grüne Jagdhornton zwischen den vielen richtig getroffenen tut der Stimmung keinen Abbruch. Von den neuzeitlichen Waffen abgesehen, der modernen Kleidung und den Autos im Hintergrund, ein Bild, wie es wohl schon vor Jahrhunderten gang und gäbe war.

Dann geht es zur Gastwirtschaft, in welcher der Jagdherr Tische bestellt hat für das Schüsseltreiben, oder wie man auch sagt, den letzten Trieb, wo beim ehrlichen Waidwerk erworbener, rechtschaffener Hunger und Durst gestillt werden. Noch eine Weile klingen die Gläser, hört man das Jägerlatein und das rauhe Lachen der Jäger, sieht man lachende Augen in bärtigen, wettergegerbten Gesichtern. Allzu spät wird es diesmal aber nicht, denn heute ist Sonntag und morgen müssen die meisten wieder zurück in dir prosaische Welt der Büros und Computer, der Maschinen und Werkbänke und nur der Hund, der bei dem einen oder dem anderen unter dem Schreibtisch liegt, erinnert an diese andere Welt, die Welt der herbstlichen Wälder und Felder, des Hörnerklanges, Büchsenknalls und Hundegeläuts, in die es bald – hoffentlich schon am nächsten Wochenende – wieder hinausgeht zu frohem Waidwerk.

Volker Wollny