Tierschützer fordern Jagd-Stopp

Tierschützer machen mobil im Landkreis: Die „Allianz für Wildtiere“ fordert ein Aussetzen der Jagd. Nach dem harten Winter sollen erst die Bestände erfasst werden. Im Landratsamt hält man sich zurück.

Landkreis – Die Abschussquote 2018/2019 zu 88 Prozent erfüllt. Das berichtete Kreisjagdberater Karl Hörmann unlängst bei der Hegeschau und sprach von einem „passablen Ergebnis“. Doch nicht jeder teilt die Zufriedenheit. Ganz im Gegenteil: Christian Blas, Sprecher der in Traunstein beheimateten „Allianz für Wildtiere“, fordert den Landkreis auf, jagdmäßig auf die Bremse zu treten.

Die „Allianz“ gibt es seit 2015 und zählt laut Blas bayernweit rund 90 Mitglieder. Sie ist mit Tierschutz-Initiativen, vor allem im Chiemgauer Raum, aktiv gewesen. Blas hat jetzt einen Antrag mit Schreiben vom 19. März an Landrat Anton Speer geschickt. Der „Allianz“-Sprecher verlangt eine „Bestandsermittlung aller dem Jagdrecht unterworfenen Tierarten, insbesondere der Schalenwildarten in allen Revieren“. Bis zur endgültigen Festlegung der Bestände sollen die Abschusspläne ausgesetzt werden. Vor allem aber fordert Blas eines: „Jagdhandlungen zu verbieten.“ Der Antrag ging auch an die Landratsämter Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Rosenheim und Traunstein.

Blas begründet den Vorstoß mit dem harten Winter. Aus den Witterungsverhältnissen resultiere eine „extreme Notzeit“ für das Wild, gerade in Hochlagen. Er warnt vor einem „Aussterben lokaler Populationen und weit überdurchschnittlichen Fallwildraten“. Aus diesem Grund müsse erst der tatsächliche Bestand erfasst werden, nur so sei eine „zielführende Bejagung“ möglich. „Man muss nachschauen, was man überhaupt noch hat.“ Blas fürchtet schon jetzt: „Die Populationen gehen dramatisch zurück.“

Kreisjagdberater Hörmann will sich gegenüber dem Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt nicht äußern und verweist ans Landratamt. Dort war der Antrag bis Freitag nicht eingegangen, wie Sprecher Stephan Scharf mitteilt. Klar ist aber: Die Jagd könne man nicht so einfach aussetzen. Dazu sei „eine enge Abstimmung mit anderen Behörden“ notwendig. Derzeit ist laut Landratsamt Schonzeit für Gams-, Reh- und Rotwild – allerdings mit Ausnahme im sanierungsbedürftigen Schutzwald. Dort hat die Regierung von Oberbayern im Februar die Jagd erlaubt. Begründet mit den Erfahrungen der diesjährigen heftigen Schneefälle: Dies habe „die Notwendigkeit eines intakten Bergwaldes zum Schutz vor Lawinen“ gezeigt.

Im Landratsamt sieht man die Situation nicht so dramatisch wie Tierschützer Blas. Aktuelle Zahlen zum Fallwild – Tiere, die durch äußere Gewalteinwirkung zu Tode kamen, aber nicht erlegt wurden – liegen laut Sprecher Scharf zwar nicht vor, allerdings: „Anzeichen für ein Aussterben von Populationen vermögen wir nicht zu erkennen.“ Die von den Tierschützern geforderte umfangreiche Bestandsaufnahme sieht man skeptisch. Die Sichtzählung bei Gams- und Rehwild sei „kein zuverlässiges Mittel zur Bestimmung der Größe der Population“, sagt Scharf, der sich auf Jagdrechts-Fachliteratur bezieht. Um die Situation einzuschätzen, werden andere Quellen genutzt. Wie der Zustand der Vegetation, die Gesundheit und das Gewicht der erlegten Tiere. „Ein Einbruch der Abschusszahlen beim Gams- und Rehwild ist in den letzten Jahren nicht zu erkennen“, erklärt Scharf. „Auch die Gewichte beim Gamswild waren im normalen Rahmen.“ Und die beim Rotwild vorgeschriebene Winterzählung zeige einen ansteigenden Trend.

Aussagen, die Tessi Lödermann so nicht teilt. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen fürchtet gerade bei den Gämsen massive Verluste durch den Winter. „Da liegt einiges rum“, sagt sie. Sie hat aktuell Meldungen über elf tot aufgefundene Tiere – allein im Bereich Garmisch-Griesen. „Aber man kommt in die Seitentäler noch gar nicht rein.“ Lödermann fordert seit Längerem konkrete Grundlagen für die Wild-Abschusspläne. Diese würden „ohne Ahnung vom Bestand“ aufgestellt.