Verbände fordern stärkere Jagd aufs Rotwild

Zwei offene Briefe an den Umweltminister sorgen für weiteren Diskussionsstoff

Es ist ein Streit, der seit Jahren anhält: Die Frage nach der Art und Weise der Jagd aufs Rotwild – insbesondere im Erzgebirge – beschäftigt Jäger, Naturschützer, Waldbesitzer und den Staatsbetrieb Sachsenforst. Kurz vor Jahresende sorgen zwei offene Briefe an Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) für weiteren Diskussionsstoff.

So äußern sich mehrere Organisationen besorgt darüber, dass bei einer Beibehaltung der bisherigen Wildbestandsdichte der „dringend notwendige“ Umbau der Wälder nicht zu schaffen sei. Die derzeitigen Wildpopulationen beeinträchtigten häufig eine nachhaltige Waldverjüngung sowie die Biodiversität im Wald. Eine „temporäre Anpassung“ der Rotwildbestände sei unverzichtbar. Damit sei keine Ausrottung gemeint. Die Vorsitzenden von sieben Vereinen haben den Brief unterzeichnet, unter anderem der Landesverbandschef des Nabu, Bernd Heinitz, Andreas W. Bitter vom Sächsischen Waldbesitzerverband und Jörg Richter vom Naturschutzverein Grüne Aktion Westerzgebirge.

Das Bündnis für Wald und Wild (BWW) hält dagegen. Das Rotwild sei weder für „die waldbaulichen Sünden der Vergangenheit noch für Klimawandel oder Borkenkäferkalamität verantwortlich“, formuliert der Verein mit Sitz in Helmsdorf. Der BWW ruft Minister Schmidt dazu auf, die im Positionspapier des Landesjagdverbandes aufgeführten Punkte „unverzüglich umzusetzen“. Der gut 5000 Mitglieder zählende Landesjagdverband hatte in seinem Zehn-Punkte-Papier verschiedene Einschränkungen bei der Jagd auf die größte heimische Wildtierart gefordert.

Beim Jagdverband spricht man nach einem Treffen mit Vertretern von Ministerium und Sachsenforst inzwischen von ersten Schritten der Annäherung. Mit dem Rotwild solle sich im neuen Jahr eine gemeinsame Arbeitsgruppe beschäftigen, sagte Verbandspräsident Frank Seyring. „Ich denke, wir sind auf einem guten Weg“, so Seyring. Ähnlich äußerte sich der künftige Sachsenforstchef Utz Hempfling. Das Ministerium in Dresden kündigte derweil eine Antwort auf den Brief von Nabu & Co. für das neue Jahr an.