Verschärfte Jagd auf Sikawild: Jäger weisen auf erhöhte Abschusszahlen hin

Möhnesee – Wanderer und Naturliebhaber freuen sich, wenn sie bei ihrer Tour ein paar Sikahirsche zu Gesicht kriegen. Gartenbesitzern in Völlinghausen sind die Tiere ein Dorn im Auge, wenn sie bis in die Vorgärten vordringen. Und Waldbauern fürchten nach dem Verlust der Fichtenflächen um die Wiederaufforstung, weil der Verbiss die Jungbäume erledigt. Wegen der hohen Bestände an Sikawild sehen sich insbesondere die Jäger an den Pranger gestellt, weil sie vermeintlich zu wenig tun, um die Bestände auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Doch diese Kritik weisen Jagdpächter Udo Bömer und Gerhard Vorwerk, der Vorsitzende des Hegerings Möhnesee, zurück.

Seitens der Jäger werde sehr wohl eine Menge getan, um insbesondere den Bestand an Sikawild zu reduzieren, betont Bömer und verweist darauf, dass er auch selbst als Waldbesitzer vom Fichtensterben und der erforderlichen Wiederaufforstung betroffen ist.

Gerade rund um Völlinghausen, wo die Sikabestände hoch sind, sei die Jagd wegen der vielen Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer im Wald aber auch schwierig. Geschossen werden könne erst, wenn das Schussfeld sicher ist, selbst in den Abend- und Nachtstunden seien im Wald jedoch Spaziergänger, Hundehalter oder Mountainbike-Fahrer unterwegs.

Gleichwohl seien die Abschusszahlen beim Sikawild in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert worden, betont Bömer. Lange Zeit habe die Zahl der Abschüsse in seinem Revier pro Jagdjahr bei 20 bis 25 Tieren gelegen, inzwischen sei die Zahl doppelt so hoch. Aktuell stehe zudem eine zweite Nachbeantragung an, um weitere Tiere zu erlegen.

Die Bejagung erfolge inzwischen zudem auch durch revierübergreifende Drückjagden, bei denen die Hirsche durch Treiber aus den Dickungen heraus getrieben werden, damit sie von den Jägern erlegt werden können. Eine weitere übergreifende Jagd soll noch bis Ende Januar durchgeführt werden.

Dass sich im Bereich Völlinghausens so viele Sikahirsche tummeln, begründen Vorwerk und Bömer auch mit der Standorttreue dieser Wildart. Auf verstärkten Jagddruck reagiere diese Wildart mit einem Zusammenschluss zu größeren Rudeln, in denen sich die einzelnen Tiere sicherer fühlen.

Mit den Möhnewiesen und weiteren Wiesenflächen etwa im Bereich des Wildparks biete die Region zudem attraktive Äsungsflächen. Diese großen Rudel mit „Brachialmethoden“ zu bejagen – so sollen in Polen Militär und Polizei wegen der Afrikanischen Schweinepest bei der Jagd auf Wildschweine helfen – halten beide für wenig sinnvoll. Zum einen würden die Sikahirsche so keinesfalls waidgerecht erlegt, außerdem würden sich die Rudel in alle Richtungen zerstreuen.

Skeptisch bewerten Bömer und Vorwerk die Erwartungen, die einige Waldbauern und Forstvertreter mit dem Warsteiner Modell zur Gestaltung der Jagdpachtverträge verbinden. So seien fast alle Jagdreviere in der Gemeinde Möhnesee mit Eigenjagden verbunden, eine von zwei Ausnahmen sei Bömers Jagdrevier Völlinghausen-Syringer Mark, das sich von der Ortschaft Richtung Süden bis jenseits des Rennwegs erstreckt.

Der Hintergrund für die neu gestalteten Jagdpachtverträge sei vielmehr darin zu sehen, dass die Stadt Warstein ihre Jagdreviere lange Zeit verpachtet habe, ohne sich weiter um das Tun der Jagdpächter zu kümmern. So sei zum Beispiel das Füttern des Sikawildes insbesondere im Hirschberger Raum nicht unterbunden worden.

Inzwischen sei es durch den Politikwechsel bei den Neuverpachtungen gelungen, den Bestand zu reduzieren; die Hirsche seien in diesen Revieren aber auch nicht mehr so zahlreich, weil nicht mehr gefüttert wird. Auf wenige Jahre verkürzte Pachtzeiten sind aus Bömers Sicht allerdings wenig sinnvoll.

So brauche ein neuer Revierpächter mehrere Jahre, bis er die Bestände und die Wege des Wildes genau kennt und bis er einschätzen könne, wo sich der Bau einer Jagdkanzel lohnt. Ob Revierjäger bei kurzer Pachtdauer großen Aufwand in die Pflege der jagdlichen Infrastruktur stecken, erscheine aber fraglich.

Wichtiger sei, gerade auch mit Blick auf die Wiederaufforstung, eine gute Abstimmung zwischen den Waldbauern und den Revierpächtern, um zum Beispiel darauf zu achten, dass ausreichende Sichtschneisen und Äsungsflächen angelegt werden, damit die Bejagung gelingen kann.

War die Pirsch erfolgreich, stelle sich noch die Frage, wer das Wildbret verwerten kann. Die Jagdpächter müssten sich hierzu einen entsprechenden Stamm an Abnehmern aufbauen.