Waiblingen: Keine Jagd auf Wölfe

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Ein Wolf hat seine Identifikationsnummer nicht in neonfarbenen Lettern und Zahlen auf den Pelz geschrieben.

 
 
 

Waiblingen. Der Wolf ist ein einheimisches Tier und gehört in unser Ökosystem, sagt Jan-Lennart Löffler, Pressesprecher der Kreisjägervereinigung. Eine Jagd auf den Wolf komme für die Jäger nicht infrage.

Herr Löffler, für wie wahrscheinlich halten Sie die Rückkehr des Wolfs und eine „Sesshaftwerdung“ in unseren Gefilden?

In Baden-Württemberg ist der Wolf bereits präsent. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder gesicherte Nachweise, etwa durch Fotoaufnahmen, genetische Spuren und Wolfsrisse. Der Wolf kommt in unserer Kulturlandschaft gut zurecht und ist keineswegs auf naturnahe Gebiete wie große Nationalparks beschränkt. Bisher waren es stets einzelne Wölfe, die durch unsere Region gestreift sind. Es ist aber wahrscheinlich, dass sich der Wolf in den nächsten Jahren in Baden-Württemberg auch dauerhaft niederlässt.

Welche Gegend im Rems-Murr-Kreis oder in unmittelbaren Nachbarkreisen ist am ehesten geeignet für den Wolf?

Infrage kommen die Ausläufer des schwäbisch-fränkischen Waldes. Ein Sesshaftwerden im Rems-Murr-Kreis ist eher unwahrscheinlich, es gibt in Baden-Württemberg weitaus geeignetere Gegenden, etwa im Schwarzwald.

Vor welche Herausforderungen stellt der Wolf die Jäger?

Die Jägerinnen und Jäger leisten einen wichtigen Beitrag zum sogenannten Monitoring, also dem Erkennen und Beobachten von Wolfnachweisen. Der Jägerschaft ist an einer Versachlichung der zum Teil sehr emotional geführten Diskussionen um die Rückkehr des Wolfes gelegen. Wenn der Wolf zurückkehrt, kann dies auch Verhaltensänderungen bei Wildarten bewirken, die wir bejagen, zum Beispiel bei Hirschen und Rehen. Unter Umständen werden diese Tiere vorsichtiger oder weichen in andere Gebiete aus.

Was raten Sie Nutztierhaltern?

Die Wolfsdichte im Land ist derzeit noch sehr gering. Da ein Wolf in einer Nacht bis zu 70 Kilometer zurücklegt, ist es schwierig, im Voraus zu wissen, wo ein Wolf auftreten kann. In manchen Gegenden können Zäune bei höherer Wolfsdichte ein sinnvolles Mittel sein. Wichtig ist, dass die Politik durch pragmatische Lösungen, zum Beispiel bei der Entschädigung für von Wölfen gerissene Nutztiere oder Zuschüsse für Zäune, den Landwirten entgegenkommt.

Inwieweit wäre der Wolf eine Bereicherung für unsere Wildtierökologie? Wo sehen Sie Gefahren?

Der Wolf ist ein einheimisches Tier und gehört in unser Ökosystem. Wir freuen uns natürlich, wenn eine Tierart zurückkehrt und in ihrem Bestand wächst, während es sonst viel zu oft um das Verschwinden der Artenvielfalt geht. Unter Umständen kann es in manchen Gegenden mit höherer Wolfsdichte die Nutztierhaltung verändern, und so etwa die Weidehaltung auf der Schwäbischen Alb zurückgehen.

Ihre Haltung zu einer Jagd auf Wölfe?

Eine Jagd auf den Wolf kommt für die Jäger nicht infrage. Eine Aufnahme des Wolfs in das Jagd- und Wildtiermanagement-Gesetz des Landes ist sinnvoll. Auch die Wildarten Luchs und Wildkatze werden dort bereits im sogenannten Schutzmanagement mit ganzjähriger Schonzeit und geregeltem Monitoring berücksichtigt. Für den Menschen ist der Wolf nicht gefährlich, also keine Angst vor dem Wolf. Hier hat die Märchenwelt leider nachhaltig ein anderes Image geprägt.