Warum Nadja Michler von der Tierrechtsorganisation PETA die Jagd am liebsten abschaffen würde

Die Jagd hat eine lange Tradition in Deutschland, ist aber umstritten. Nadja Michler von der Tierrechtsorganisation PETA würde sie am liebsten komplett abschaffen.

Frau Michler, warum lehnt PETA die Jagd ab? Was kritisieren Sie?

Man hat ja immer dieses Bild vor Augen von dem Reh, das im Morgengrauen auf die Lichtung tritt und dann mit einem Schuss getötet wird. Das stimmt so aber nicht, gerade bei Drückjagden. Tatsächlich sterben bis zu 70 Prozent der Tiere nicht sofort, sondern schleppen sich mit heraushängenden Gedärmen und zerschossenen Knochen durch den Wald und erleiden einen langsamen Tod. Deshalb gibt es ja auch den Begriff der Nachsuche.

Die Jäger argumentieren, dass sich beispielsweise Wildschweine ohne die Jagd extrem vermehren würden, weil sie keine natürlichen Feinde haben.

Das Gegenteil ist der Fall. Will man weniger Wildtiere haben, muss man weniger jagen. Tatsächlich führt die Jagd zu einer Zunahme der Wildtierbestände.

Warum?

Weil das Sozialgefüge der Tiere zerschossen wird. Bleiben wir bei dem Beispiel der Wildschweine. Bei denen ist die Fortpflanzung auf die Leittiere beschränkt. Werden diese Tiere geschossen, pflanzen sich die Schweine wahllos fort. Dazu kommt, dass in Gebieten, in denen gejagt wird, die Geschlechtsreife der Tiere früher eintritt. Das belegen Studien.

Gibt es dafür Beispiele?

Natürlich, in Luxemburg zum Beispiel wurde gegen heftigen Protest der Jägerschaft die Fuchsjagd verboten, die befürchtete Explosion der Fuchspopulation blieb aber aus. Die Natur regelt das selbst, denn drei Faktoren beeinflussen die Wildtierbestände: Nahrung, Klima und Krankheiten. Die Jagd braucht es nicht, sie ist wie gesagt vielmehr kontraproduktiv.

Es gibt aber auch andere Beispiele, etwa im Kanton Genf in der Schweiz. Dort wurde die Wildschweinjagd verboten, einige Jahre später wurde sie auf Drängen von Landwirten aber wieder eingeführt, eben weil es zu viele Wildschweine gab.

Auch diese Probleme sind hausgemacht. Viele Landwirte haben ihre Maisfelder direkt an den Wald gebaut. In einem natürlichen Wald gibt es das nicht, da gibt es auch keine Wildschäden. Das Problem kommt doch erst zustande, wenn wirtschaftliche Interessen vertreten sind. Der Fehler liegt an dieser Form von Landwirtschaft. Wenn dann noch gejagt wird, kommt es zu einem Teufelskreis.

Für die Landwirte geht es aber mitunter um die Existenz.

Ja, aber das ist ein Kurzzeitdenken. So wird der Schaden immer größer. Es muss doch auch anders gehen. Andere Länder kommen beispielsweise seit Jahrzehnten selbst mit dem Wolf klar, bei uns wird immer sofort geschossen. Und in aller Regel geht es ohnehin um eine Gewinnmaximierung und nicht um die Existenz.

In Osteuropa sorgt derzeit die Afrikanische Schweinepest für Probleme und Sorgen. Gut möglich, dass gerade Wildschweine bald vermehrt gejagt werden müssen, oder?

Nein, denn Wildschweine bleiben eigentlich in ihrem Gebiet, sind sehr standorttreu. Erst die Jagd führt dazu, dass sie es verlassen und sich die Seuche so ausbreiten kann.

Aber ist es nicht sinnvoll, dass ein Jäger die infizierten Tiere erschießt?

Die Natur reguliert sich von alleine und bedarf keines menschlichen Eingriffes. Jäger töten wahllos alle Tiere, und nehmen der Natur die Chance zur Selbstregulation. Zudem gibt es noch keine mit der Schweinepest infizierten Tiere in Deutschland. Die Wildschweine werden derzeit nur aus einem Grund massenhaft getötet, nämlich um die Profite der industriellen Schweinezüchter zu schützen. Das lehnen wir ab.