WhatsApp auf der Jagd

Manch einen mag der ständige Umgang gewisser Zeitgenossen mit dem Smartphone, insbesondere mit der Chat-App WhatsApp nerven.Allerdings lässt sich dieser Nachrichtendienst auch sehr sinnvoll nutzen, nicht zuletzt bei der Jagd.

Smartphones sind heute allgegenwärtig und eine der beliebtesten, wenn nicht die beliebteste ist WhatsApp. Hat man sich sein erstes Smartphone gekauft und die Handy-Kontakte vom alten, herkömmlichen Handy auf dieses übertragen lassen, wird man nach der Installation von WhatsApp überrascht sein, wieviele der alten Bekannten hier vertreten sind. Praktisch mit einem Fingertipp kann man mit ihnen den Kontakt auch über das Chat-Tool herstellen.

Schon zu Zeiten der alten, „nicht smarten“ Mobiltelefone wurden bei der Jagd eifrig Nachrichten über SMS ausgetauscht. Mancher Waidgenosse konnte hier zur wahren Nervensäge werden, wenn man, kaum dass man auf dem Hochsitz saß, schon die erste Nachricht bekam: „Hast du schon Anblick gehabt?“, und dann der Nachrichtenstrom nicht abriss. Mich persönlich nervte der an der Sache vor allem die umständliche Eingabe von Text über die Zahlentastatur und es gab den einen oder anderen Jagdfreund, den ich hätte erwürgen können, weil er mich zwang, mich den ganzen Ansitz lang mit diesem unhandlichen System herum zu ärgern.

Mit der auf dem Touchscreen emulierten schreibmaschinenähnlichen Tastatur ist beim Smartphone die Eingabe von Text wesentlich komfortabler geworden. Trotzdem sollte man natürlich nicht exzessiv schreiben, denn erstens nervt das nach wie vor und zweitens lenkt es natürlich ab, so das einem durchaus auch einmal ein Stück durch die Lappen gehen kann, wenn man sich ständig nur mit dem Smartphone beschäftigt.

Das bedeutet aber nicht, dass der Nachrichtenaustausch über WhatsApp beim Ansitz per se zu verdammen sei. Es gibt durchaus sinnvolle Nachrichten, zum Beispiel das Verabreden des Abbaumens und das Ausmachen eines Treffpunktes oder die Meldung, dass man ein Stück beobachtet hat, dass in Richtung des Schussfeldes eines Waidgenossen unterwegs ist.
Besonders hilfreich bei der Jagd kann aber die Möglichkeit von WhatsApp sein, Gruppen zu gründen in denen man mit einer Nachricht alle Mitglieder der Gruppe erreicht. Wenn man ein Revier zu mehreren bejagt und jeder im Prinzip jederzeit zum Ansitz gehen und sich auf einen Sitz seiner Wahl setzen kann, hilft eine solche Gruppe, Kollisionen zu vermeiden. Man nummeriert zum Beispiel die Sitze oder versieht sie mit eindeutigen Namen. Wer zum Ansitz geht, meldet dann ganz einfach in der Gruppe, auf welchen Sitz er sich setzt.

Ich jagte einmal in einem Team, wo wir ein ähnliches System hatten, das aber ganz ohne Elektronik funktionierte. An einer bestimmten, günstig gelegenen Kanzel gab es einen Briefkasten in dem sich ein Buch befand, in das man vor dem Aufbaumen eintrug, auf welchen Sitz man sich setzen wollte. Das hatte nun aber den Nachteil, dass man, wenn man einmal saß, nicht mehr erfuhr, ob und wer nach einem noch gekommen war und wo er sich hingesetzt hatte.

Bereits damals gab es die Möglichkeit, mit dem Handy ins Netz zu gehen und eine spezielle Seitenbeschreibungssprache, mit der man sozusagen Websites für die einfachen Displays der damaligen Handys erstellen konnte. Daher tüftele ich an einer kleinen Anwendung im Web, die das Buch im Briefkasten an der von uns „Feldpostkanzel“ genannten Kanzel hätte ersetzen können und es zudem ermöglicht hätte, zu erfahren, wer nach einem noch zum Ansitz gekommen war.

Mir war damals jedoch klar, dass dies zu diesem Zeitpunkt noch Zukunftsmusik war und ich hatte das Projekt eigentlich im Hinblick auf spätere Zeiten angefangen, da ich davon ausging, dass der damals noch sündhaft teure Zugang zum Web mit dem Handy einmal billiger werden würde, sodass das Management der Sitze über mein System auch für sparsamere Zeitgenossen attraktiv
geworden wäre.

Mit den Smartphones und WhatsApp hat mich die Technik nun überholt. Der Chat-Dienst macht das Management der Hochsitze ganz ohne eigene Programmierung möglich. Da die Nachrichten in WhatsApp ja stehen bleiben, kann man im Chat-Verlauf zurückscrollen und feststellen, wer wo sitzt und weiß dann, wo man sich selbst noch hinsetzen kann. Aus den Nachrichten, die man während des Ansitzes erhält, erfährt man dann, wenn jemand noch kommt und wo er sitzt.

Außerdem kann man über die WhatsApp-Gruppe auch kundtun, wenn man Anblick oder gar Waidmannsheil gehabt hat. So erfährt auch der Jagdherr unabhängig von seinem augenblicklichen Aufenthaltsort ständig, was sich im Revier ereignet und bleibt zum Beispiel auch im Urlaub auf dem Laufenden.

Mit WhatsApp kann man auch Fotos versenden, die man heute mit jedem Smartphone machen kann. Das Bild vom erlegten Stück ist dabei nur eine Anwendungsmöglichkeit. Da ein Bild bekanntlich mehr sagt als tausend Worte, kann man Beobachtungen beim Reviergang wesentlich besser mitteilen: Eine besonders starke Saufährte etwa, eine gut angenommene Kirrung, Schäden an Jagdeinrichtungen, Rupfungen, Risse und was man beim Reviergang so alles entdeckt, lassen sich so im Rahmen der Fähigkeiten der Handy-Kamera gut dokumentieren.

Natürlich ist das auch hilfreich, wenn man etwas entdeckt, was man nicht kennt: Möglicherweise gibt es jemand im Team, der helfen kann, eine zunächst unbekannte Fährte zu identifizieren oder eher untypische Losung zuzuordnen. Nicht nur Jungjäger können so aus ihren Beobachtungen mithilfe erfahrenerer Mitjäger wesentlich effizienter lernen.

Sinnvoll eingesetzt kann die WhatsApp-Gruppe beim gemeinsamen Bejagen eines Reviers sehr hilfreich sein. Man kann die Einrichtung einer solchen jeden Team von Jägern, das ernsthaft bei der Jagd zusammenarbeiten will, wärmstens empfehlen.
Volker Wollny