Wilde Jagd über die Stoppelfelder

Die Warendorfer Jagdreiter zeigen im Heimatmuseum Marienfeld die Hatz zu Pferde mit Hunden. Das Wild muss sich ausnahmsweise mal keine Sorgen machen. Denn die Meute ist nur hinter einer geheimnisvollen Substanz her.

Marienfeld. Der Boden bebt mächtig, Staubfontänen wehen durch die Luft, als 19 Reiterinnen und Reiter auf ihren Pferden, begleitet von einer rasenden Meute an Jagdhunden, über das Stoppelfeld am Lutterstrang jagen. Die Präsentation der Schleppjagd der Warendorfer Jagdreiter ist die Attraktion beim Aktionstag des Heimatmuseums „Leben und arbeiten wie in alten Zeiten“.

Die Vorführung der jagenden Reiterschaft mit ihren 25 Beagles und Foxhounds ist ein kurzes und sehr staubiges Spektakel. Zweimal jagen die Meute, Amazonen und Reiter an den zahlreichen Zuschauern auf dem Stoppelacker am Lutterstrang vorbei. Christoph Hornauer erklärt den Gästen am Heimatmuseum die Hintergründe der Schleppjagd.

Er selbst gehört dem 50 Jahre alten Freundeskreis der Jagdreiter schon seit 40 Jahren an. Dieser ist ein Zusammenschluss von Pferdefreunden aus verschiedenen Reitvereinen.
Hornauer ist damit eines der dienstältesten Mitglieder, auch wenn der Fachmann selbst nicht mehr auf dem Pferderücken zur Schleppjagd antritt.

Im Gegensatz zu anderen Ländern ist die Wildjagd in Deutschland verboten

„Die Freude an Pferden, an Hunden und an der Natur“, verbinde die Jagdreiter. „Daher findet eine Schleppjagd auch immer in enger Absprache mit Grundstückseigentümern und Landwirten statt“, erklärt er. Diese Form der Jagd hat sich aus der traditionellen Wildjagd entwickelt, bei der die Tiere in Wald und Flur von der Meute gehetzt und gestellt wurde.

Im Gegensatz zu anderen Ländern ist die Wildjagd in Deutschland längst verboten. Bei der heute üblichen Jagdreiterei, wie sie die Warendorfer Spezialisten in Marienfeld zeigen, ersetzen die Jäger die Wildfährte durch eine künstliche Fährte. Diese Schleppe legt einer der Reiter, der einen speziellen Kanister mitführt, die die Hunde auf die richtige Fährte bringen soll.

Diese besteht meist aus sogenannten Fuchslosungen, sprich Ausscheidungen, oder anderen Geruchslösungen. Der Schleppenleger lässt die Losung tropfenweise aus dem am Sattel angeschnallten Kanister ab. Auf dieser Fährte jagt die Hundemeute begleitet von ihrem Hunsman und den Pikören.

Im Kreis Gütersloh gibt es regelmäßig zwei Schleppjagden im Jahr

Dieser beeindruckenden „Jagdequipage“ folgt in einigem Abstand die Jagdgesellschaft. Die Hunde sind eigens für die Reitjagd gezüchtete Foxhounds oder Beagles.
Zu einer zünftigen Schleppjagd gehören aber auch die Jagdsignale. Die Jagdhornbläsern des Hegering Harsewinkel unter Leitung von Gerd Tietmeyer blasen die verschiedene Jagdsignale wie „Hirsch tot“.

Im Kreis Gütersloh führen die Warendorfer Jagdreiter regelmäßig zwei Schleppjagden durch, eine davon im Herbst in Herzebrock.