Wildschweine im Norden: Jagd in Maisfeldern und mit Licht

Schleswig-Holstein will die Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest verschärfen: Landwirte sollen Schneisen in ihren Maisfeldern lassen, um die Bejagung der Schwarzkittel zu ermöglichen. Zudem soll mithilfe künstlicher Lichtquellen gejagt werden dürfen, kündigte Minister Robert Habeck an.

Kiel. Alle Maßnahmen sollen auf einem Schweinepest-Gipfel im Januar mit Jägern, Landwirtschaften und Naturschützern abgestimmt werden. Insgesamt soll der Bestand an Wildschweinen in Schleswig-Holstein spürbar gesenkt werden. Wie hoch der ist, weiß allerdings niemand. Aber eine Jagdstrecke von zuletzt 15000 Tieren deutet nach Robert Habeck, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung, auf eine sehr hohe Bestand hin. Besonders betroffen sind Ostholstein und das Lauenburgische – also die Regionen, die von der Seuche, die sich von Osteuropa westwärts bereits bis zum polnischen Warschau und nach Tschechien ausgebreitet hat, als erste in Schleswig-Holstein betroffen wären.

„Wir müssen einem Ausbruch und der Verbreitung der Tierseuche stärker entgegenwirken, denn sie hätte gravierende Folgen für das Land, die Landwirtschaft und den Schwarzwildbestand“, sagte Habeck bei der Vorstellung des Jahresberichts zur biologischen Vielfalt 2017 in Kiel. Aus Osteuropa wird berichtet, dass erkrankte Wildschweine qualvoll krepieren und ihre Schreie aus den Wäldern zu hören sind.

Der Landesjagdverband begrüßte die Pläne des Umweltministers ausdrücklich. „Nur wenn wir jetzt intensiver jagen, ist ein Ausbruch vielleicht örtlich zu begrenzen. Bisher können wir aber im Sommerhalbjahr kaum jagen, weil sich das Schwarzwild sich dann in die Maisschläge zurückzieht“, sagte Wolfgang Heins, Präsident des Landesjagdverbandes. Deshalb seien Schneisen in den Schlägen, aber auch das nächtliche Jagen, bei dem Licht eingesetzt werden darf, wichtige Maßnahmen. Prämien für den Abschuss weiblicher Tiere sieht man hingegen kritisch: „Den Muttertierschutz aufzugeben halten wir moralisch nicht für vertretbar. Aber das würde anders, wenn die Seuche hier ausgebrochen ist. Dann muss rigoros gehandelt werden.“