Wolfs-Jagd: 70.000 Euro und doch kein Abschuss

Das Land gibt in diesem Jahr deutlich mehr Geld für sein Wolfmanagement aus als ursprünglich geplant. Allein die Jagd auf den sogenannten Problemwolf in Südholstein kostete nach Angaben des Umweltministeriums mehr als 70.000 Euro. Das Land hatte eine Expertengruppe beauftragt, das Tier mit der Kennung GW924m zu erlegen, weil es immer wieder spezielle, vermeintlich wolfssichere Herdenschutzzäune überwunden und dahinter Schafe gerissen hatte. Geschossen wurde das Tier allerdings nicht.

Im vergangenen Jahr ein Drittel der Kosten

In den Wolfspräventionsgebieten gab das Land nach eigenen Angaben 1,56 Millionen Euro aus – zum Beispiel für Schutzzäune. „Bei dieser Summe handelt es sich um einmalige Investitionen, die sich auch in den kommenden Jahren auszahlen werden“, teilte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein mit. Für DNA-Untersuchungen gab das Land zusätzlich rund 76.000 Euro aus. So schlug das Wolfsmanagement in diesem Jahr insgesamt mit mehr als 1,6 Millionen Euro zu Buche.

Noch im Februar war das Ministerium von Gesamtkosten von 1,1 Millionen Euro ausgegangen. Im gesamten Jahr 2018 hatte das Land knapp eine halbe Million Euro für DNA-Tests, Entschädigungszahlungen und Schutzzäune ausgegeben.

Problemwolf-Kosten bisher geheim gehalten

Das Land Niedersachsen hat für die Jagd auf einen Problemwolf bis August 83.000 Euro ausgegeben und insgesamt bis zu 150.000 Euro für dessen Jagd im Haushalt eingeplant. Schleswig-Holstein wollte bisher keine Zahlen veröffentlichen. „Zum Schutz der Beauftragten werden Fragen in diesem Kontext derzeit nicht beantwortet“, sagten die Sprecher des Ministeriums.

Nachdem der Problemwolf inzwischen nach Mecklenburg-Vorpommern weitergezogen ist, gab das Ministerium auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein nun die Zahl von rund 70.000 Euro Kosten für die Expertengruppe zur Entnahme des Problemwolfs bekannt. Wolfsbetreuer Jens Matzen geht davon aus, dass sich derzeit nur zwei Wölfe im Land aufhalten: ein kaum auffälliges Weibchen im Kreis Segeberg und ein bisher unbekannter Wolf an der Westküste.

Wolfspräventionsgebiete bleiben bestehen

Das Land will trotzdem an den Präventionsgebieten in den Kreisen Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg, Segeberg und Herzogtum Lauenburg festhalten. „Aus artenschutzfachlicher Sicht wird angenommen, dass diese Regionen für Wölfe in Schleswig-Holstein geeignet sind. Daher ist davon auszugehen, dass sich dort auch zukünftig regelmäßig Wölfe zeigen werden“, heißt es aus dem Ministerium. „Insofern werden diese Wolfspräventionsgebiete hinsichtlich des Schutzes von Nutztierrissen weiter entwickelt und unter Zuhilfenahme bestehender Fördermöglichkeiten auf mögliche weitere durchwandernde Tiere vorbereitet.“

In den Wolfsgebieten müssen alle größeren Betriebe mit Nutztieren spezielle Elektrozäune aufstellen, wenn sie künftig Entschädigungszahlungen vom Land für gerissene Tiere erhalten wollen. Das Material für die Zäune erstattet das Land. 32 Betriebe haben laut Umweltministerium bereits Geld erhalten.

Kritik der Schafzüchter

Der Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter kritisiert, dass das Land ausschließlich Material für den Zaunbau zur Verfügung stellt. „Wir kommen damit nicht hin, weil die Arbeitszeit nicht entlohnt wird. Das ist unser Problem“, sagte Janine Bruser, die Geschäftsführerin des Verbandes. Nach ihren Angaben müssten die betroffenen Schäfer im Durchschnitt im Winter etwa 100 Kilometer Zaun aufstellen, wenn die Herden auf unterschiedlichen Weiden unterwegs sind. „Das ist nicht zumutbar. Die Schäfer müssten ein bis zwei Personen einstellen, um alle Weiden vermeintlich wolfssicher einzuzäunen.“