Zwischen Jagd und Forst kracht es wieder im Wald

Jägerverband bezweifelt erneut Objektivität bei Darstellung der Wild-schäden. Landesforstdirektor Fuchs wehrt sich gegen Pauschalvorwürfe.

Innsbruck – In den vergangenen Monaten herrschte zwischen dem Tiroler Jägerverband und der Landesforstdirektion so etwas wie gespannte Ruhe: Das ewige Konfliktthema „Wildverbiss“ rückte ein wenig in den Hintergrund. Seit der Vollversammlung des Jägerverbandes Ende März ist es aber aus mit der Waldesruh’. Es wird wieder scharf geschossen. Weil die Tiroler Jägerschaft die so genannte „Mariazeller Erklärung“ in Frage stellt und notfalls aufkündigen möchte. Diese Vereinbarung regelt seit 2012 die Zusammenarbeit zwischen Jägern und Förstern im Sinne einer gemeinsamen Verantwortung für den Wald als Lebens- und Naturraum. Sie soll obendrein die Auseinandersetzungen über den Wildeinfluss entschärfen; vor allem im Schutz- und Jungwald.

Doch jetzt gehen die Jäger auf die Barrikaden: U. a. fordert der Tiroler Jägerverband eine „objektive Darstellung“ von Wildeinfluss und Wildschäden. Außerdem sei die Beeinträchtigung durch das Wild auf viele Faktoren zurückzuführen und könnte nicht allein durch die Jägerschaft gelöst werden. Schlussendlich verlangen die Jäger mehr Transparenz bei der Verjüngungsdynamik (Wildeinflussmonitoring) und sanktionierte Wildruhezonen und -flächen.

Mehr hat es nicht gebraucht. Landesforstdirektor Josef Fuchs ist höchst verwundert über diese Forderungen und teilte das der Landesregierung sowie dem Jägerverband auch mit. Zum einen sei man bestrebt, ein gutes Miteinander zu pflegen und hinsichtlich all der Wünsche in einen ehrlichen und offenen Dialog zu treten, um für den Wald und die Jagd in Tirol konstruktiv im Sinne der Landeskultur Lösungen zu finden, so Fuchs. Aber: Ein ganzjähriges Betretungsverbot für Waldbesucher widerspreche dem Forstgesetz. Dass einmal mehr die Objektivität bei der Erhebung der Wildschäden angezweifelt wird, weist Fuchs ebenfalls strikt zurück. „Ich verwehre mich aber gegen ‚Pauschalvorwürfe‘, die einerseits gegen mich und Mitarbeiter des Tiroler Forstdienstes gerichtet sind (Stichwort: selbst ernannte Forstexperten), und andererseits gegen die Mentalität, alle Vereinbarungen regelmäßig in Frage zu stellen und gemeinsam erarbeitete Konventionen öffentlich schlechtzumachen“, ist Fuchs richtig empört über den Jägerverband.

Landesjägermeister Anton Larcher steht hingegen zu dem Beschluss. Es dürfe wohl nicht verboten sein, Vereinbarungen nach ein paar Jahren zu evaluieren und auf deren Umsetzbarkeit hin zu überprüfen. „Jedenfalls gibt es in dieser Vereinbarung ein paar Punkte, die aus fachlicher Sicht dringend zu evaluieren sind, zumal uns von forstlichen Hardlinern immer wieder eben diese Mariazeller Erklärung vorgehalten wird, wenn es um Wildeinfluss geht“, spart Larcher nicht mit Seitenhieben.

Speziell die dringend notwendige Erneuerung der waldbaulichen Strukturen sei kein Thema, das die Jagd alleine lösen könne. Für Larcher hätten manche, die nun mit einzelnen Punkten der Mariazeller Erklärung Druck auf die Jagd ausüben wollten, in den letzten Jahren die klimatischen und strukturellen Veränderungen nicht erkannt. Er warnt davor, auf einen technischen Schutz bei der Aufforstung der Jungwälder zu verzichten. „Das kommt einer Ausrottung des heimischen Schalenwildes gleich. Das werden wir niemals tolerieren“, kündigt der Landesjägermeister an.

Gelassen sieht Agrar- und Forstreferent LHStv. Josef Geisler (ÖVP) den Streit. „Der Jägerverband kann alles aufkündigen, was er möchte. Aber in Tirol haben wir ein Jagdgesetz, an das sich auch die Jägerschaft halten muss.“